Die britische Regierung bereitet sich einem Zeitungsbericht zufolge auf einen Zusammenbruch des angeschlagenen Energiekonzerns BP vor. Vertreter des Wirtschafts- und des Finanzministeriums führten Gespräche über die Zukunft des Ölmultis und schmiedeten Notfallpläne, berichtet The Times unter Berufung auf Personen, die mit den Beratungen vertraut sind. Die Regierung stelle sich auf "alle Eventualitäten" ein.

Weitere Details wurden nicht genannt. Das Finanzministerium wollte sich zu dem Bericht nicht äußern, das Wirtschaftsministerium war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In Großbritannien wächst offenkundig die Angst, dass der Ölkonzern unter den immensen Kosten aufgrund der Ölpest im Golf von Mexiko zusammenbricht oder zu einem Übernahmekandidaten wird. Zweieinhalb Monate nach dem Untergang der Plattform Deepwater Horizon musste BP bisher mehr als drei Milliarden Dollar für die Bewältigung der Katastrophe aufbringen. BP versuchte die Angst vor einem Kollaps des Konzerns zu zerstreuen: "Wir werden uns davon erholen", sagte ein Sprecher.

Laut der Times geht es in den Gesprächen der Regierungsvertreter unter anderem um die möglichen Folgen für Millionen von Briten, deren Pensionspläne auch Aktien von BP umfassen. Seit Beginn der Katastrophe hat sich der Aktienkurs von BP mehr als halbiert. Dies löste an den Börsen Übernahmespekulationen aus: BP könne ins Visier von Rivalen wie Exxon Mobil, Royal Dutch Shell oder Petrochina geraten, hieß es. Allerdings würde eine Übernahme ein enormes Risiko bedeuten, solange die Kosten für die Ölpest nicht kalkulierbar sind. Analysten schätzen, dass im Zusammenhang mit der Katastrophe im Golf von Mexiko Gesamtkosten von umgerechnet bis zu 70 Milliarden Dollar auflaufen.

Um den BP-Börsenwert wieder zu steigern, sucht der Energiekonzern Hilfe bei potenten Geldgebern . In britischen Medien hieß es, BP wolle ein Aktienpaket von fünf bis zehn Prozent an einen strategischen Investor geben. Der Ölkonzern bestritt aber, dass er vorhabe, neue Aktien auszugeben. Die Sunday Times hatte berichtet, angestrebt werde eine Kapitalerhöhung um bis zu sechs Milliarden Pfund (7,2 Milliarden Euro).

BP bestätigte aber, dass man Kontakt mit Staatsfonds im Mittleren Osten aufgenommen habe. Arabische Investoren sind in den vergangenen Jahren bei mehreren Großkonzernen eingestiegen. Kuwait Investment Office ist bereits mit 1,75 Prozent an BP beteiligt. In anderen Berichten hieß es wiederum, mehrere Staatsfonds hätten Interesse an BP-Vermögenswerten im Mittleren Osten oder Asien. Die Meldungen haben immerhin bewirkt, dass die BP-Aktien zum Wochenstart gefragt wie selten in den vergangenen Wochen waren. Zeitweise legte der Kurs am Montag an der Londoner Börse um mehr als fünf Prozent zu.

Anleger zeigten sich über von BP angestrebte Partnerschaften skeptisch. "Wir sind überhaupt nicht der Ansicht, dass ein strategischer Partner nötig ist", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen der zehn größten BP-Anteilseigner, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Die Aktionäre werden dazu 'Nein, danke' sagen, und das haben wir gegenüber dem Unternehmen kommuniziert." Analyst Evgeny Solovyov von Société Générale gab zu bedenken, dass BP mit dem Einstieg eines Großinvestors aus dem Mittleren Osten oder China seine Position in Regionen wie den USA aufs Spiel setzen könnte.

BP selbst hat bereits erklärt, Geschäftsteile und Beteiligungen verkaufen zu wollen. Damit will der Konzern in diesem Jahr zehn Milliarden Dollar erlösen, um damit den 20 Milliarden Dollar schweren Entschädigungsfonds, der auf Druck der US-Regierung ins Leben gerufen wurde, zumindest teilweise zu finanzieren. Um den Fonds zu füllen, hat BP bereits Kredite aufgenommen. Der französische Konkurrent Total hat bereits Interesse an einem Kauf von BP-Geschäftsfeldern bekundet. Eine Komplettübernahme schloss Total-Chef Christophe de Margerie jedoch aus.

Die Ölpest hat BP bislang Kosten von 3,12 Milliarden Dollar verursacht, inklusive 147 Millionen Dollar an Entschädigungszahlungen. Seit Ende April sprudelten Millionen Liter Öl in den Golf von Mexiko, nur ein Bruchteil wird bislang aufgefangen. Die Ölpest hat bereits massive Umweltschäden an der US-Golfküste verursacht. Ein Supertanker namens A Whale soll nun damit beginnen, Öl von der Meeresoberfläche abzusaugen. Das defekte Bohrloch in gut 1,5 Kilometern Tiefe ist weiterhin nicht verschlossen.