Wochenlang hatte die US-Börsenaufsicht SEC gegen die Investmentbank Goldman Sachs wegen eines dubiosen Finanzprodukts ermittelt. Nun haben sich beide Seiten auf einen Vergleich geeinigt: Das Institut willigte in die Zahlung von 550 Millionen Dollar (knapp 425 Millionen Euro) ein. Dies ist die höchste Summe, die jemals eine Finanzfirma in einem Vergleich mit der SEC zahlen musste.

Kern des Streits ist ein komplexes Investmentprodukt, über das die Bank die Käufer falsch informiert haben soll. Laut der SEC-Anklageschrift hatte das Geldhaus das kritisierte Finanzprodukt in dem Moment an die Börse gebracht, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann. Den Anlegern habe Goldman zugesichert, die Anlagen hinter dem Finanzprodukt seien von einem unabhängigen Dritten ausgewählt worden. Tatsächlich hatte aber einer der wichtigsten Kunden der Bank, der Investmentfonds Paulson darauf gedrungen, das Produkt anzubieten und dann gleichzeitig auf den Verfall der Papiere gewettet. Laut SEC zahlte Paulson Goldman für das Finanzprodukt 15 Millionen Dollar.

Die Anleger verloren den Ermittlungen zufolge insgesamt mehr als eine Milliarde Dollar. Unter den Betroffenen waren auch die beinahe Pleite gegangene deutsche Mittelstandsbank IKB und die britische Royal Bank of Scotland (RBS). Von der Rekordstrafe erhalten auch sie ihren Anteil: 150 Millionen Dollar geht an die IKB und 100 Millionen Dollar an die RBS . Die restlichen 300 Millionen Dollar zahlt das Geldhaus an das Finanzministerium und damit in die Staatskasse.

Für die Börsenaufsicht ist die Vereinbarung "eine Mahnung an die Wall Street ". Kein Produkt sei zu komplex und kein Investor zu raffiniert , um einer Bestrafung zu entgehen, "wenn eine Firma die grundlegenden Prinzipien der ehrlichen Behandlung" verletzt, sagte SEC-Direktor Robert Khuzami. Goldman Sachs, das die Vorwürfe der Behörde zunächst als "vollkommen unbegründet" zurückgewiesen hatte, räumte nun ein, dass die Werbematerialien für das Produkt "unvollständig" gewesen seien. Von vorsätzlichem Betrug wollte sie aber nichts wissen.

Damit er wirksam werden kann, muss dem Vergleich nun noch ein New Yorker Bundesrichter zustimmen. Dies gilt allerdings als Formsache. Die SEC-Klage gegen den parallel beschuldigten französischen Goldman-Banker Fabrice Tourre läuft dessen ungeachtet weiter. Er hatte das umstrittene Geschäft eingefädelt.

Analysten nannten die Strafe in ersten Reaktionen "heftig". Dennoch wurde die Vereinbarung an der Börse positiv aufgenommen: Goldman-Aktien kletterten nachbörslich um 4,2 Prozent. Nach ersten Medienberichten über eine Einigung lagen sie kurz vor Börsenschluss zeitweise noch höher im Plus.

Die Finanzbranche wertete den Vergleich insgesamt als Erlösung, hatten die Börsianer doch befürchtet, dass die Ermittlungen die Geschäfte der rentabelsten aller Wall-Street-Banken in Mitleidenschaft ziehen könnten. Zudem war das harte Vorgehen gegen die Investmentbank als politische Intrige gebrandmarkt worden, mit der Stimmung für die Finanzreform der US-Regierung gemacht werden sollte.

Gleichzeitig verwiesen die Experten darauf, dass der Fall damit noch nicht ausgestanden ist. Einzelne Anleger haben eigene Klagen gegen Goldman Sachs eingereicht. So verlangt ein australischer Hedge-Fonds im Windschatten der SEC-Vorwürfe eine milliardenschwere Wiedergutmachung. Zudem muss Goldman Sachs als Teil des Vergleichs sein Verhalten ändern. Bankchef Lloyd Blankfein hatte schon vor Wochen angekündigt, die Geschäftspraktiken auf den Prüfstand zu stellen.