Die Manager der Atomkonzerne schauen derzeit gespannt auf das Thermometer. Denn das Wetter kann zum massiven Problem für den Betrieb der Atomkraftwerke (AKW) werden: Hält die Hitzeperiode länger an, steigt die Temperatur in den Flüssen, aus denen Reaktoren ihr Kühlwasser entnehmen. Wenn die AKWs das aufgeheizte Wasser wieder zurück in die Flüsse leiten, steigt deren Temperatur noch mehr. Doch es gibt Grenzwerte. Werden sie überschritten, müssen die AKWs ihre Leistung drosseln, um Fische in den Gewässern zu schonen.

Eon musste bereits am Montag die Leistung seiner Anlage Brokdorf in Schleswig-Holstein für drei Stunden um 50 Megawatt (MW) reduzieren. Die Elbe hatte nach Angaben der zuständigen Aufsichtsbehörde, des Landes-Justizministeriums, in dieser Zeit die kritische Wassertemperatur von 23 Grad um ein Grad überschritten.

Bei einer Gesamtleistung von 1500 MW war der Verlust zwar gering. Doch schon bald könnte das Problem größer werden. Baden-Württembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) hält schon in der kommenden Woche Einschränkungen bei Kern- und Kohlekraftwerken für möglich. "Mit jedem Hitzetag steigt die Wassertemperatur", sagte Gönner. "Wir beobachten die weitere Entwicklung deshalb sehr sorgfältig." Für die Energieversorger an Rhein und Neckar wird es ab einer Wassertemperatur von 28 Grad kritisch. Zuletzt lag die Temperatur an einzelnen Messstellen bereits bei über 25 Grad.

In den vergangenen Jahren mussten Kraftwerke ihre Leistung schon mehrfach wegen der Grenzwerte drosseln. Besonders im Jahrhundertsommer 2003, als es schon im Frühjahr sehr heiß war, wurde die Stromproduktion in Deutschland beeinträchtigt.

In diesem Jahr kämen die Probleme für die Branche zur Unzeit. Die vier AKW-Betreiber Eon, RWE, Energie Baden-Württemberg (EnBW) und Vattenfall Europe hoffen auf eine Revision des 2002 unter Rot-Grün besiegelten Atomausstiegs und eine Verlängerung der Laufzeiten durch die schwarz-gelbe Bundesregierung. Sollten reihenweise Kernkraftwerke vom Netz müssen, könnte das den Atomgegnern in die Hände spielen. Schließlich argumentierten die Energiekonzerne regelmäßig mit der großen Verlässlichkeit der Kernenergie.

Unternehmen wie EnBW betonen deshalb auch ausdrücklich, dass das Problem nicht nur Kern- sondern auch Kohlekraftwerke treffen könnte -– und geben sich gelassen. Die Situation sei mit 2003 nicht zu vergleichen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Damals seien auch die Pegelstände der Flüsse niedrig gewesen. EnBW verfüge an allen vier AKW-Standorten über Kühltürme, die das Problem auffangen könnten.