Die Berge, sie werden erst am Morgen sichtbar. Auf Deutschlands Liegewiesen, nach heißen Sommertagen. Dort, wo Menschen am Abend zuvor gegrillt, getrunken, gefeiert haben. Weiße Einwegteller, verschmierte Fleischverpackungen, rote Ketchupflaschen oder gleich ganze Gartenstühle: Die Müllberge von Plastikprodukten zeigen, wie sehr Kunststoff unseren Alltag bestimmt. Laut Umweltbundesamt entsorgten die Deutschen im Jahr 2008 insgesamt 2,7 Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen.

Würde man den ganzen Plastikmüll auf kleine Lkw verladen, bräuchte man 1,3 Millionen Fahrzeuge. "Bis Plastik sich zersetzt, können Hunderte Jahre vergehen. Der Plastikmüll sammelt sich immer weiter an und belastet die Umwelt", sagt Katrin Riegger vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Wegen der verwendeten Weichmacher und anderer Chemikalien seien Plastikprodukte zudem gefährlich für unsere Gesundheit.

Eine Alternative zur Plastikverpackung, sie schlummert in der Scheune von Landwirt Hubert Loick. Eingebettet in Maisfelder liegen die roten Backsteinhäuser seines Bauernhofes im westfälischen Dorsten an der Grenze zum Münsterland. Hier produziert Hubert Loick seine kleinen Kügelchen. Sie sehen aus wie Styropor, fühlen sich genauso an und haben die gleichen Eigenschaften. Doch im Gegensatz zu den weißen Kunststoffteilchen, kann man Loicks Kügelchen bedenkenlos auf dem Komposthaufen entsorgen, sie sind aus Maismehl.

Die Zutaten für sein Erfolgsrezept: Ein paar Erdnussflips, zwei Hektar voller Mais und ein bisschen Plastikmüll. Die Erdnussflips lagen auf Loicks Schreibtisch, als ihm Anfang der neunziger Jahre beim Auspacken eines Elektroteils ein paar Styroporteilchen danebenfielen. Die Ähnlichkeit zwischen dem labberigen Erdnussflip und dem Styropor war verblüffend. Erdnussflips werden aus Maismehl hergestellt – und Mais hatte Loick genug. Er beschloss, aus seinem Mais umweltfreundliche Verpackungsflips herzustellen. In der Scheune experimentierte er mit einem befreundeten Ingenieur mit Maismehl-Wassergemisch, dem er Luft zuführte.

Um eine passende Maschine zu entwickeln, reiste er zu einem Maschinenhersteller nach London. Im Gepäck hatte er nur sein Schulenglisch, mit dem passenden Gerät kam er zurück nach Deutschland. Die Maschine vermengt Maismehl mit Wasser und pustet das Gemisch unter Luftdruck zu Flips auf. Loick setzte alles auf eine Karte: 1,5 Millionen Mark investierte der Landwirt, verschuldete sich bei der Bank.