"Der Golf von Mexiko ist ein sehr großer Ozean. Die Menge an Öl und Chemikalien, die wir dort hineintun, ist winzig im Vergleich zur gesamten Wassermenge." Tony Hayward ist ein guter Techniker – ein versierter Diplomat aber sicher nicht .

Mal betitelte er die Umweltschäden als "äußerst gering". Mal sprach er davon, dass er endlich "sein Leben zurück" haben wolle – was für die betroffenen Fischer vor Ort und ihrer bedrohten Existenzgrundlage wie Hohn wirken musste. Sein privates Segelvergnügen vor der Isle of Wight nur 48 Stunden nach einem harten Verhör im US-Kongress sorgte weltweit für Kopfschütteln, ebenso wie die Manipulation von Bildern der Katastrophe.

Der britische Konzern hat wohl auch deshalb am Dienstag entschieden, dass die dreijährige Ära des Tony Hayward an der Spitze von BP ein Ende finden muss . Nachfolger wird Anfang Oktober Robert Dudley, der schon seit Mitte Juni die Verantwortung für das Krisenmanagement im Golf von Mexiko trägt.

Der Zeitpunkt des Neustarts ist geschickt gewählt. Die katastrophale Quartalsbilanz wird für immer nur mit einem Namen verbunden sein: Tony Hayward. Er musste am Dienstag mit knapp 17 Milliarden US-Dollar einen der größten Verluste in der britischen Unternehmensgeschichte bekannt geben. Im Vorjahreszeitraum konnte er noch einen Gewinn von drei Milliarden verbuchen.

Wann, wenn nicht jetzt, sollte sich eine Stabsübergabe besser organisieren lassen? Das Bohrloch im Golf von Mexiko gilt – zumindest provisorisch – als gestopft. Dudley erhält zudem eine Schonfrist: Erst am 1. Oktober soll er offiziell das Amt des Vorstandsvorsitzenden übernehmen. Kommt es in der Zwischenzeit zu Problemen bei der aktuellen Entlastungsbohrung, lassen sich diese noch Hayward zuschreiben.

Nachfolger Dudley muss jetzt vor allem das Vertrauen der Politik in BP zurückgewinnen. Dass erstmals in der Geschichte von British Petroleum ein Amerikaner die Geschäfte führen wird, ist nichts anderes als ein Kotau vor den USA: Ein Drittel der konzerneigenen Öl- und Gasquellen liegen in den Vereinigten Staaten. Ohne Offshore-Bohrungen im Golf von Mexiko verliert BP seine wichtigste Zukunftsoption. Tiefseebohrungen sind eines der letzten gewinnnträchtigen Geschäftsfelder in der Ölbranche, werden doch die zugänglichen Reserven an Land immer knapper.

Die Beziehungen zur Regierung in Washington sind derzeit alles andere als gut. Präsident Barack Obama rüffelte Haywards Krisenpolitik mehrfach öffentlich. Der Ausschuss für Rohstoffausbeutung im US-Parlament will künftig Energiekonzerne, die in den vergangenen Jahren häufig durch Sicherheitsdefizite aufgefallen sind, von Projekten ausschließen. Eine klare Spitze gegen BP.