Der Deutschen Bahn gehen Millioneneinnahmen aus dem Betrieb des Gleisnetzes verloren: Sie senkt die Trassenpreise für die Nutzung vieler ihrer Nebenstrecken. Allerdings tut sie das nicht ganz freiwillig, sondern nach Vorgabe der Bundesnetzagentur, die die bisherige Regelung für ungültig erklärt hatte.

Grund für die Maßregelung sind die sogenannten Regionalfaktoren, die zusätzlich zum Trassenentgelt bezahlt werden müssen und zwar für die Nutzung der wenig befahren Strecken. Das kann die Streckennutzung fast doppelt so teuer machen. Zahlen müssen die erhöhten Gebühren sowohl die Verkehrssparte der Bahn als auch private Bahnbetreiber, die auf 40 regionalen Netzen in ländlichen Regionen ihre Züge rollen lassen.

Nach Meinung der Regulierungsbehörde sind letztere aber vermehrt betroffen. Durch die Neuregelung sei "eine Stärkung des Wettbewerbs erreicht", sagte Netzagentur-Präsident Matthias Kurth. Auch die privaten Konkurrenten hätten nun "transparente und diskriminierungsfreie Zugangsbedingungen" zum Netz der Bahn. Kurth verwies darauf, dass in den kommenden fünf Jahren rund zwei Drittel des Nahverkehrs auf der Schiene neu vergeben würden.

Laut der Vereinbarung mit der Bahn-Tochter DB Netz fallen die bisherigen regionalen Zuschläge im Trassenpreissystem zum 11. Dezember 2011 komplett weg. In einem ersten Schritt sollen die Zuschläge auf vielen Strecken aber bereits zum Fahrplanwechsel in diesem Dezember deutlich reduziert werden. Bundesnetzagentur und Bahn gehen davon aus, dass rund 20 Millionen Euro Trassengebühren im kommenden Jahr eingespart werden. Vor allem in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt reduzieren sich Kosten für die Zugbetreiber.

Die Bahn verteidigte die 2003 eingeführten Regionalfaktoren, ohne die der Personennahverkehr sich in vielen Regionen Deutschlands nicht mehr gelohnt hätte. Zudem kündigte der Konzern an, "alternative Finanzierungsmöglichkeiten" zu prüfen, um die betroffenen Strecken auch ab 2012 weiter betreiben zu können. Bereits im März hatte das Unternehmen ein "zwangsläufig höheres Preisniveau" angekündigt.