Dan Akerson weiss, was von ihm erwartet wird. "Es gibt beachtliche Chancen für GM, und ich fühle mich geehrt, dieses Unternehmen in ein neues Kapitel zu führen", gab der designierte Chef von General Motors (GM) bei seiner Ernennung zu Protokoll. Der 61-Jährige Finanzprofi ist sich bewusst, dass angesichts des bevorstehenden Börsengangs nicht nur die Pensionsfonds und Großbanken jeden seiner ersten Schritte mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgen. Auch die Politiker in Washington blicken mit Argusaugen auf die Pläne des größten US-Autokonzerns.

Denn der Sprung von GM zurück an den Aktienmarkt wäre nicht nur einer der größten Börsengänge in der Geschichte des Landes - er ist auch in den Vereinigten Staaten ein heikles Politikum. Der republikanische Senator Charles Grassley forderte am Wochenende Details zu GMs Plänen von der demokratischen US-Regierung. "Die Steuerzahler haben einen enormen finanziellen Anteil an GM. Der Verkauf von Aktien ist deshalb riskant", schrieb der Senator aus Iowa an den Aufseher des 700 Mrd. Dollar schweren Hilfsfonds für die Finanzindustrie, TARP, aus dem auch der Autokonzern in der Krise Mittel bekommen hatte. 

Das Finanzministerium müsse deshalb sicherstellen, dass das Risiko so gering wie möglich gehalten werde. Grassley forderte dazu so schnell wie möglich eine detaillierte Analyse, in der auch die Gebühren aufgeführt werden sollen, die die am Börsengang beteiligten Banken für ihre Dienste bekommen. Die US-Regierung hatte den gestrauchelten Konzern im vergangenen Jahr mit 50 Mrd. Dollar Steuergeldern gerettet - gegen den Widerstand der Opposition.

Seither hält der Staat knapp 61 Prozent an dem einst größten Autobauer der Welt. Mit dem Gelingen der Milliarden-Emission ist deshalb auch der politische Erfolg von US-Präsident Barack Obama verbunden. Steht GM nun bald wieder auf eigenen Füßen und kann die Regierung ihren Mehrheitsanteil erfolgreich abstoßen, wäre dies auch ein Triumph für den in Umfragen zuletzt deutlich angeschlagenen Präsidenten.

Medienberichten zufolge drängt das Weiße Haus deshalb auf einen schnellen Gang an die Börse, am liebsten noch vor den wichtigen Kongresswahlen Anfang November. Da sich die Stimmung an den Kapitalmärkten gerade wieder eintrübt, haben auch die Banken ein Interesse an einem straffen Zeitplan. Zu den Instituten, die dem Autobauer Kredite in Höhe von 5 Mrd. Dollar bereitstellen, gehört auch die Deutsche Bank.

GMs Eilmarsch an die Börse ist nach Ansicht vieler Experten allerdings mit großen Risiken versehen. "Der Börsengang kommt viel zu früh", kritisiert Joseph Phillippi von der Beratungsgesellschaft Auto Consulting. -Trends Mehrere Jahre bräuchte GM, bis der Turnaround nachhaltig ist.

Auch der frühere Leiter der AutoTask-Force der US-Regierung, Steven Rattner, hegt Zweifel. Es wäre besser, wenn GM mehr als zwei profitable Quartale in den Büchern hätte, bevor sich das Unternehmen wieder an die Börse wage, empfiehlt der Ex-Berater von US-Präsident Obama. Erst seit Anfang diesen Jahres ist GM nach Jahren der Verluste wieder in die Gewinnzone zurückgekehrt. Opel-Konzernbetriebsratschef Klaus Franz hält den vierten Chefwechsel in 18 Monaten bei GM für ein kritisches Signal. Das könne Investoren vor dem Börsengang verunsichern.

In Europa erwartet Opel allerdings durch den Führungswechsel keinen Kurswechsel bei der Sanierung der Rüsselsheimer Tochter. Dan Akerson habe als Verwaltungsratmitglied von GM alle Entscheidungen mitgetragen und sei im vergangenen Jahr einer der Wortführer für einen Verbleib von Opel unter dem Dach von GM gewesen, sagt Franz. Der oberste Arbeitnehmerführer von GM in Europa will sich nun bald direkt mit Akerson treffen, der bisher für die Rüsselsheimer ein unbeschriebenes Blatt ist. Franz geht davon aus, dass die Europäer spätestens 2012 wieder schwarze Zahlen schreiben werden.

(Erschienen im Handelsblatt.)