Die Opel-Mutter General Motors hat ihren Antrag für ein Listing in New York und Toronto eingereicht, nannte dabei aber kaum finanzielle Details.

Experten erwarten ein Platzierungsvolumen von bis zu 20 Milliarden Dollar. Damit wäre der Börsengang einer der größten der Wirtschaftsgeschichte. Die US-Regierung wird ihren Anteil an GM auf unter 50 Prozent senken. Sie hatte den Konzern 2009 mit rund 50 Milliarden Dollar Steuergeldern vor dem Aus gerettet.

Beobachter erwarten die Erstnotiz an den Börsen noch vor den US-Kongresswahlen im November. Sollte der Börsengang gut verlaufen, könnte sich US-Präsident Barack Obama unmittelbar vor der Wahl als erfolgreicher Krisenmanager präsentieren. Allerdings geht GM zu einem Zeitpunkt an die Börse, wo der Weltmarkt für Autos anfällig für einen erneuten Abschwung ist.

Aus den Unterlagen geht hervor, dass GM einen Börsengang im Volumen von lediglich bis zu 100 Millionen Dollar beantragt hat – eine Summe, die aus Sicht von Experten nicht das Volumen widerspiegelt, das GM bei der Notierung anstrebe. Wie viele GM Aktien tatsächlich ausgegeben werden sollen und was sie kosten könnten, teilte GM nicht mit. Analysten erklärten, das Volumen werde auch von der Nachfrage der Investoren abhängen, die bislang noch weitgehend unklar sei. Zudem müsse bedacht werden, dass GM erst seit zwei Quartalen wieder Gewinne schreibe. Der Handel an den Börsen soll zwischen Ende Oktober und dem Thanksgiving-Feiertag in den USA am 25. November beginnen.

GM war im Juni 2009 in die Insolvenz gegangen und hatte sich so 40 Milliarden Dollar Schulden entledigt. Der Konzern hat zudem in einer Rosskur Kosten gesenkt, Werke geschlossen und Marken wie Pontiac, Saab und Hummer fallen gelassen. Gleichwohl benötigt GM Geld, etwa für den Umbau bei seiner verlustbringenden deutschen Tochter Opel und die Bedienung von Pensionsansprüchen.

Beobachter gehen davon aus, dass US-Präsident Barack Obama versuchen wird, die GM-Rettung als finanziellen Erfolg zu werten. Die Öffentlichkeit hatte sein Eingreifen 2009 mit Skepsis verfolgt. Die Regierungen der USA und Kanadas – auch dort ist GM ein wichtiger Arbeitgeber – hatten GM damals mit Milliarden an Steuergeldern vor dem Aus gerettet. Seither halten sie die Mehrheit an dem Auto-Konzern.

Die US-Regierung hatte insgesamt etwa 50 Milliarden Dollar in das Unternehmen gepumpt. 43 Milliarden davon wurden in GM-Anteile umgewandelt, die Regierung besitzt seitdem 61 Prozent. Kanada bekam knapp zwölf Prozent. Anteile erhielt auch die Automobilgewerkschaft UAW im Gegenzug für einen Verzicht auf Sozialleistungen.

GM hatte wiederholt erklärt, den Rückzug der Regierungen anzustreben, um nicht mehr länger als "GM – Government Motors" belächelt zu werden und zudem neuen Schub im Geschäftsbetrieb zu gewinnen. Die US-Regierung wird aber auch dann noch Macht bei GM haben, wenn ihr Anteil auf unter 50 Prozent fällt. So wird sie die Ernennung von Vorständen und deren Bezahlung ebenso beeinflussen können wie die Firmenstrategie und Fragen im Umgang mit den Mitarbeitern und Gewerkschaften.

Analysten halten einen GM-Börsenwert nach einem Listing von bis zu 80 Milliarden Dollar für denkbar, auch in Anlehnung an den kleineren Rivalen Ford, der mit 40 Milliarden Dollar bewertet ist. Der weltgrößte Autobauer Toyota ist an der Börse aktuell rund 121 Milliarden Dollar wert. Um die gesamten 43 Milliarden Dollar Steuergelder, die die US-Regierung in GM-Anteile investiert hat, wieder zurückzubekommen, müsste die Börsenbewertung bei rund 70 Milliarden Dollar liegen.

Konsortialführer bei dem Börsengang sollen GM zufolge die Banken Morgan Stanley, JPMorgan, Bank of America Merrill Lynch und Citigroup sein.

Experten sehen den Börsengang skeptisch. "Ich glaube, das Risiko eines Scheiterns ist größer als das, weiterhin als 'Government Motors' bezeichnet zu werden", sagte Brad Coulter, Spezialist für Restrukturierungen bei O'Keefe & Associates. Der Präsident der Automotive Consulting Group, Dennis Virag, äußerte sich ähnlich: "Ich glaube nicht, dass jetzt eine gute Zeit für einen Börsengang ist."