ZEIT ONLINE: Herr Engel, das jüngste Quartalsergebnis ist enttäuschend: Vestas fuhr einen Verlust von 148 Millionen Euro ein. Die ursprüngliche Gewinnprognose für 2010 müssen Sie kassieren. Was ist das los?

Ditlev Engel: Die Finanzkrise 2009 macht uns immer noch zu schaffen. Gerade die Kreditfinanzierung von Windparks war ja ein großes Problem. Das haben wir im vergangenen Jahr noch nicht so stark gespürt, dafür aber jetzt umso mehr.

ZEIT ONLINE: Müssen Sie Arbeitsplätze abbauen?  

Engel: Wir müssen uns tatsächlich von Mitarbeitern trennen. Die Bestellungen kommen einfach zu spät in diesem Jahr – und das hat Folgen.  

ZEIT ONLINE: Wie viele Jobs sind gefährdet?

Engel: Wir werden etwa 300 Vollzeitstellen streichen und eine ähnliche Zahl von befristeten Verträgen nicht verlängern. Aber unterm Strich werden wir 3000 neue Arbeitsplätze in diesem Jahr geschaffen haben.

ZEIT ONLINE: Sind auch Jobs in Deutschland gefährdet? 

Engel: In erster Linie sind Stellen in Dänemark betroffen.

ZEIT ONLINE: Trotz der miesen Zahlen halten Sie also an Ihrer "tripple 15"-Strategie fest: Im Jahr 2015 soll Vestas einen Umsatz von 15 Milliarden Euro und einer Gewinnmarge von 15 Prozent erwirtschaften?

Engel: Natürlich.

ZEIT ONLINE: Ist das nicht etwas naiv angesichts solch schwankender Ergebnisse?

Engel: Es ist nicht das erste Mal, dass Leute uns sagen: Das ist unmöglich. Nehmen Sie nur das Jahr 2005, als wir schon einmal in den roten Zahlen waren. Da haben wir den Leuten gesagt, in vier Jahren werden wir eine Gewinnmarge in Höhe von zehn bis zwölf Prozent erwirtschaften. Und das haben wir 2008 geschafft. Wenn ich mir den Energiebedarf anschaue, dann sind wir gut positioniert. Nur weil uns die Finanzkrise im ersten Halbjahr 2010 noch beschäftigt, heißt das nicht, dass wir den positiven Ausblick für unser Unternehmen kassieren müssen.

ZEIT ONLINE: Wie gut sind Ihre Windrad-Fabriken zurzeit ausgelastet?

Engel: Zum Jahresende werden wir unsere weltweiten Kapazitäten auf 10.000 Megawatt ausgebaut haben. Es ist klar, dass wir vor allem wegen der aktuellen schlechten Auslastung der Fabriken ein Minus eingefahren haben. Wir stehen eben vor der Herausforderung, dass wir uns auf die anziehende Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte einstellen müssen – und deswegen viele Leute vorhalten.