Theo und Karl Albrecht sind seine Vorbilder, erzählt Stefan Heinig im vertrauten Kreis. Nicht nur die Knausrigkeit der beiden Aldi-Gründer imponiert dem hochgeschossenen Chef der Billigtextilkette KiK, auch gegenüber der Öffentlichkeit pflegt der sportliche Manager mit den kurz geschorenen Haaren eine ähnliche Abneigung.

Außer Paparazzifotos existieren von dem gebürtigen Dortmunder keine offiziellen Bilder, den Nachdruck eines Porträts in KiKs Mitarbeiterzeitschrift ließ er gerichtlich untersagen. Vereinbarte Interviewtermine sagt der Unternehmer ohne Begründung ab.

Jetzt aber bekommt Heinig, der am Montag seinen 48. Geburtstag feierte, mehr Öffentlichkeit, als ihm lieb sein kann. Mittwochabend strahlte die ARD zwei TV-Beiträge aus, die seinen westfälischen Textildiscounter in ein zweifelhaftes Licht rückten.

Von "menschenunwürdigen" Beschäftigungsverhältnissen ist darin die Rede, von Näherinnen in Bangladesch, die für KiK selbst im Winter ohne Heizung arbeiten mussten, und von Billigsocken aus Niedriglohnländern, die der Discounter allein durch Aufnähen von "Ergee"-Logos zu Markenware veredelt. Bis zuletzt versuchte Heinig, den TV-Bericht per Landgerichtsurteil zu stoppen – vergeblich: Am 6. Juli erteilten Hamburgs Richter die Freigabe.

Pünktlich einen Tag vor Ausstrahlung demonstrierte Heinigs Textildiscounter in aller Öffentlichkeit Reue. Man habe "sicher Fehler gemacht", teilte KiK mit. "Dies bedauern wir außerordentlich." Wie zum Beweis ließ der Firmenchef eine Pressemeldung verschicken, nach der die Geschäftsführung nun um den ehemaligen Otto-Manager Michael Arretz erweitert wird. Der 49-Jährige soll ab sofort beide Krisengebiete des Filialisten wieder in Ordnung bekommen: Qualitätssicherung und Unternehmenskommunikation. 

Ethik spielt untergeordnete Rolle

Bislang war Heinig, der nach Schätzungen des Manager Magazins ein Vermögen von 500 Millionen Euro besitzt, mit alldem sparsam umgegangen. Um in den 2 900 schmucklosen Läden T-Shirts für 1,99 Euro und Jeans für 7,99 Euro anzubieten, musste der Wareneinkauf vorzugsweise eines sein: billig. Nur so schafft Kik bei 1,4 Milliarden Euro Umsatz eine Rendite von geschätzten 15 Prozent.

Auch auf teure Pressearbeit verzichtete Heinig bislang. Seine Sicht der Dinge ließ er Redaktionen lieber durch die Anwaltskanzlei Graf von Westphalen zustellen, gekennzeichnet mit der Überschrift "Richtigstellung".

"Ethik und Verantwortung spielen in der Kultur von KiK eine untergeordnete Rolle", sagt ein Geschäftspartner, der Heinig gut kennt. Der hemdsärmlige Unternehmer, der KiK nach Realschulabschluss und Handelsassistenten-Ausbildung mit 31 Jahren gründete, sei ein "bodenständiger Praktiker".

Ohne eigenes Startkapital hatte der Hobby-Schiedsrichter 1994 die heute von Verona Pooth beworbene Billigkette eröffnet – als Spin-off der damaligen Tengelmann-Tochter Modea in Telgte (heute Takko). Das Geld lieh ihm Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub, dessen Familie bis heute 85 Prozent der Firmenanteile hält. An weiteren Gemeinschaftsunternehmen wie Woolworth oder dem Schnäppchenparadies Tedi gönnte Heinig der Tengelmann-Gruppe später nur noch eine Minderheitsbeteiligung.

Dafür sorgt er sich schon jetzt um die Nachfolge. Geschäftsführer seiner Dortmunder Familien H. H. Holding-Obergesellschaft ist seit Dezember 2007 Sohn Benjamin. Bei der Berufung war der Filius gerade einmal 20.

(Der Artikel erschien im Handelsblatt)