Die Geldinstitute fordern Dispo-Zinsen von 6 bis knapp 17 Prozent für die Überziehung des Girokontos, wie eine Studie unter rund 700 privaten Instituten, Direktbanken, Sparkassen und genossenschaftlichen Geldhäusern ergab. Vor allem kleinere Institute langten demnach kräftig zu. "Zweistellige Zinsen passen aber nicht in eine Zeit, in der die Marktzinsen auf ein historisches Tief gesunken sind", sagte Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur von Finanztest .

Die Stiftung Warentest hat nach eigenen Angaben rund 1000 Kreditinstitute zu den Dispo-Zinsen befragt, aber nur etwa 700 hätten Daten geliefert. 21 Banken verlangten demnach Zinsen von 14 Prozent oder mehr, der durchschnittliche Satz liegt bei 12,52 Prozent.

Die Finanzbranche verteidigt sich mit dem Argument, dass Überziehungskredite nur zur Überbrückung dienten und die "finanzielle Flexibilität" des Kunden steigern sollten. Wer eine längerfristige Finanzierung benötige, sollte dafür andere Konsumentenkredite nutzen, erklärte der Zentrale Kreditausschuss, in dem die Spitzenverbände der Privatbanken, Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken vertreten sind. "Diese gibt es zu deutlich günstigeren Konditionen." Außerdem müsse für Dispo-Zinsen Eigenkapital bereitgestellt werden, egal ob der Kredit in Anspruch genommen werde oder nicht. Auch das Ausfallrisiko eines solchen unbesicherten Kredits sei höher.

Die Verbraucherschützer halten dagegen, dass sich Banken seit der Finanzkrise Geld zu "Schnäppchenzinsen" besorgen können. Der Leitzins der Europäischen Zentralbank liegt derzeit auf einem Rekordtief von einem Prozent. Noch im Oktober 2008 befand sich der Zinssatz bei 4,25 Prozent. Fachleute gehen davon aus, dass Banken von dem billigen Geld noch bis weit in das nächste Jahr hinein profitieren können.

Den Trend zu niedrigen Zinsen hätten die Verbraucher vor allem bei ihren Spareinlagen zu spüren bekommen, sagte Tenhagen. "Denn die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld kannten in den vergangenen Monaten und Jahren nur eine Richtung: nach unten."

Die Verbraucherzentrale NRW hatte am vergangenen Montag angekündigt, gegen zwei Banken vor Gericht zu ziehen, um niedrigere Dispo-Zinsen für Kunden erzwingen. Auch Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hatte sich auf die Seite der Kunden geschlagen und die Banken aufgefordert, sich bei der Zinsfestsetzung fair zu verhalten. "Zinsen von bis zu 17 Prozent halte ich angesichts der aktuellen Niedrigzinsphase für nicht begründbar", sagte die CSU-Politikerin.

Der Dispo-Zins gilt als Strafzins für die Überziehung des Kontos. Einen Anspruch darauf gibt es in der Regel nicht, die meisten Banken gewähren dies jedoch volljährigen Kunden mit regelmäßigem Einkommen. Üblich ist den Verbraucherschützern zufolge ein sogenannter Dispo-Rahmen, der das Zwei- bis Dreifache des monatlichen Zahlungseingangs beträgt. Kunden, die den Dispo-Kredit nicht schnell zurückzahlen können, sollten ihn in einen – meist günstigeren – Ratenkredit umwandeln, empfiehlt die Stiftung Warentest.