Einer Übernahme von Karstadt durch den US-Investor Nicolas Berggruen steht offenbar nichts mehr im Weg: "Alle, die Ja sagen mussten, haben Ja gesagt", bestätigte er die Einigung mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet. Auch ein Sprecher der Gruppe sprach von einer "grundsätzlichen Einigung". Allerdings wies er darauf hin, dass noch nicht alle erforderlichen Unterschriften vorliegen. Berggruen indes ist davon überzeugt, dass er die Vermieter bis zum Ende der Frist um Mitternacht von den von ihm geforderten Mietsenkungen überzeugen kann. "Es sollte heute Abend zu Ende kommen, so hoffe ich."

Sollten sich die beiden Parteien tatsächlich einigen, wäre die letzte Hürde für den Vollzug des Kaufvertrags genommen – einen Tag bevor das Essener Amtsgericht über die Annahme des Insolvenzplans entscheidet. Im besten Fall könnte der Konzern nach 16 Monaten aus der Insolvenz entlassen werden.

Die Gläubiger von Highstreet verhandeln mit Berggruen über die geforderten Mietnachlässe. Der Investor forderte von ihnen, die Mieten für 86 der 120 Karstadt-Immobilien zu senken. Für die Kreditgeber des Unternehmens-Konsortiums, zu denen neben Goldmann Sachs auch die Deutsche Bank gehört, bedeutet das eine geringere Rendite in den kommenden Jahren. Entsprechend schwierig gestalten sich die Verhandlungen.

Am Vormittag setzte die Gruppe der Anleihegläubiger ein erstes positives Zeichen. Diese Gruppe ist direkt an der Finanzierung der Immobilien beteiligt. Ihre Zustimmung galt schon länger als unstrittig. Weitaus langwieriger sind offenbar die Verhandlungen mit den sogenannten Mezzanine-Investoren. Sie stellen einem Unternehmen eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital zur Verfügung, beteiligen sich aber nicht direkt an der Firma.

Die Investoren von Highstreet wurden in den vergangenen Tagen vermehrt unter Druck gesetzt, eine baldige Entscheidung zu erringen. Schon seit Juni letzten Jahres verhandelte Berggruen mit dem Immobilien-Konsortium. Zuletzt sagte Deutsche-Bank-Vorstand Jürgen Fitschen die Unterstützung seines Instituts zu. Auch die Bundesregierung forderten eine schnelle Einigung: "Vermieter und Mieter müssen jetzt ihre Hausaufgaben machen", sagte Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) noch zu Beginn der Woche.

Sollten die Verhandlungen noch platzen, müsste Karstadt abgewickelt werden. Der Insolvenzverwalter des Konzerns, Klaus Hubert Görg, hat dazu bereits einen Fahrplan für die Liquidation vorgelegt. Ein Teil der Filialen soll dann bis Ende des Jahres verkauft werden.