Der Elektrokonzern Siemens gibt den rund 128.000 Mitarbeitern in Deutschland weitreichende Standort- und Arbeitsplatzgarantien. Darauf einigte sich das Unternehmen mit der IG Metall . Siemens verlängerte damit eine bisher geltende Vereinbarung zur Standort- und Beschäftigungssicherung von 2008 und weitete sie zudem auf den Gesamtkonzern aus. Die jetzt getroffene Vereinbarung gelte nicht nur für den Mutterkonzern, sondern auch für die deutschen Töchter mit Ausnahme des IT-Dienstleisters SIS, teilte das Unternehmen in München mit.

Einer der Kernpunkte des Abkommens ist, dass Siemens im Falle personeller Anpassungen betriebsbedingte Kündigungen möglichst vermeiden will. Stattdessen wird der Konzern nach eigenen Angaben "wie bereits in der Vergangenheit sämtliche Mittel ausschöpfen". Dazu gehöre unter anderem ein Personalausgleich zwischen den Standorten und Kurzarbeit . Sollten sich Einschnitte beispielsweise wegen eines deutlich schlechteren wirtschaftlichen Umfeldes nicht abwenden lassen, müssen sich Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter zuvor an einen Tisch setzen.

Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin ist die Vereinbarung unbefristet, jedoch frühestens nach Ablauf von drei Jahren kündbar. Laut IG Metall schließt der Pakt eine Verlagerung oder Schließung von Standorten mindestens bis Ende 2013 aus.

Konzernchef Peter Löscher sprach von einem klaren und langfristigen Bekenntnis zum Standort Deutschland. "Siemens ist ein verantwortungsvoller Arbeitgeber. Jeder einzelne Mitarbeiter ist uns wichtig", sagte Löscher. IG-Metall-Chef Berthold Huber bewertete die Einigung als wichtige Grundlage für die künftige Entwicklung des Unternehmens mit zuletzt 128.000 Mitarbeitern in Deutschland. "Das neue Abkommen bietet den Beschäftigten von Siemens Sicherheit und Schutz bei zukünftigen Veränderungen. Siemens bleibt in der sozialen Verantwortung für die Beschäftigten", sagte Huber. 

Siemens-Gesamtbetriebsratschef Lothar Adler sagte, mit der Vereinbarung werde sichergestellt, dass sowohl die Stammbelegschaften als auch Qualifikationen und Fertigungsfähigkeiten im Unternehmen gehalten würden. "Das Abkommen hat sich während der Krise bewährt, was inzwischen auch die Firmenseite anerkennt." Seine langfristige Fortsetzung sei "unter wirtschaftlichen und sozialen Aspekten für die Beschäftigten und das Unternehmen vernünftig und zukunftsweisend".

Während der Wirtschaftskrise waren zeitweise bis zu 19.000 Siemens-Beschäftigte in Kurzarbeit. Das bisherige Abkommen war 2008 geschlossen worden, um ein milliardenschweres Sparprogramm bei Siemens in Vertrieb und Verwaltung abzufedern, das mit dem Abbau Tausender Jobs einherging.

Ausgenommen von der jetzigen Vereinbarung ist die kurz vor der Ausgliederung stehende IT-Tochter SIS. Dort sollen im Zuge des Umbaus weltweit mehr als 4000 Arbeitsplätze wegfallen.