Die Deutsche Bahn verzichtet auf eine Fahrpreiserhöhung im Fernverkehr . Ein "klares Zeichen" will Bahn-Chef Rüdiger Grube aussenden. Unter seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn wäre eine solche Geste kaum vorstellbar gewesen. So weit so gut.

Aber schon die Kunden im Nah- und Regionalverkehr haben das klare Zeichen offenbar nicht verdient. Hier steigen die Preise um durchschnittlich 1,9 Prozent.

Die Beruhigungspille für die Fernverkehrkunden kann zudem nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Probleme bei der Bahn alles andere als gelöst sind: Auch unter Grube investiert das Unternehmen vorwiegend ins internationale Geschäft. Die Deutsche Bahn als Global Player. In Deutschland dagegen wird das Schienennetz seit Jahren vernachlässigt, das Durchschnittsalter der Gleise steigt kontinuierlich. Das führt dazu, dass viele Züge langsamer fahren müssen – und das, wo die Bahn doch so gern betont, dass sie schnell ist.

Ebenso wenig wird die Pille in Stuttgart wirken: Grube hat mit seinem Verhalten beim Großprojekt Stuttgart 21 viel kaputt gemacht. Noch vor rund einem Jahr stellte er das komplette Bauvorhaben infrage, sollten die Kosten für den Tiefbahnhof (ohne Neubaustrecke) über 4,5 Milliarden Euro steigen. Mit spitzem Bleistift wurde noch mal nachgerechnet . Als dann sogar 4,9 Milliarden herauskamen, wurde abermals gerechnet. Ergebnis: 4,08 Milliarden Euro. Kaum jemand glaubt, dass diese Summe am Ende ausreichen wird. Das Projekt verschluckt Milliarden, die künftig für andere regionale Bauvorhaben fehlen werden.

Verkehrspolitisch ergibt es zudem wenig Sinn, wie unlängst eine Studie des Umweltbundesamtes belegt hat . Trotzdem verteidigt Grube das Projekt mit Zähnen und Klauen. "Es kann und darf keinen Baustopp geben", sagt er. Den Begriff Schlichtung hält er für "irreführend" und macht so mit einem Federstrich die Anstrengungen des Schlichters Heiner Geißler zunichte.

Die erlassene Fahrpreiserhöhung wirkt da wie ein Plätzchen, das den Bahn-Kunden gereicht wird, damit sie zumindest für kurze Zeit Ruhe geben.