Nach der Warnstreik-Ankündigung für den Bahnverkehr hat die Deutsche Bahn an die Gewerkschaften appelliert, auf die Arbeitsniederlegungen zu verzichten und in eine Schlichtung einzusteigen. Warnstreiks seien "unbegründet und kontraproduktiv", sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber. Es könne nicht sein, dass die Bahn bestreikt werde, um Druck auf Wettbewerber des Konzerns auszuüben.

Eine Lösung am Verhandlungstisch sei möglich, sagte Weber. Die Bahn schlage ein Schlichtungsverfahren vor, wenn die Gewerkschaften glaubten, mit Verhandlungen derzeit nicht weiter zu kommen.

Die Bahngewerkschaften Transnet und GDBA hatten zuvor für Dienstagmorgen einen Warnstreik bei der Deutschen Bahn und sechs großen privaten Eisenbahnunternehmen angekündigt. Die Gewerkschaften verhandelten mit dem Marktführer und seinen Konkurrenten seit Wochen über einen Branchentarifvertrag . Dieser soll verhindern, dass der Wettbewerb auf der Schiene über die Löhne der Beschäftigten ausgetragen wird.

Die Vorstellungen der Streitparteien liegen jedoch weit auseinander. Das jüngste Tarifangebot der Privatbahnen sehe für die Branche ein Einkommensniveau vor, das rund 20 Prozent unter dem der Bahn liege, sagte Transnet-Vorsitzender Alexander Kirchner: "Das können wir so nicht mitmachen." Zudem weigerten sich die großen Sechs unter den Privatbahnen, mit dem Branchenriesen gemeinsam zu verhandeln. "Diese Art von Kindergarten zwischen den Arbeitgebern muss aufhören", sagte Kirchner. Letztlich müsse ein Tarifergebnis herauskommen, bei dem die Beschäftigten trotz zunehmenden Wettbewerbs im Regionalverkehr nicht auf der Strecke blieben. 

Die Gewerkschaften riefen nur zu zeitlich befristeten Streiks auf, "um die Beeinträchtigungen für Bahnreisende möglichst gering zu halten", sagte er. Gleichzeitig solle den Arbeitgebern signalisiert werden, dass es die Gewerkschaften "in der Sache ernst" meinten. Kämen die Verhandlungen nach dem ersten Warnstreik nicht in Bewegung, seien "weitere Arbeitskampfmaßnahmen unausweichlich".

An den Streiks nehmen die Lokführer allerdings nicht teil. Die Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) verhandelt separat mit den Bahnen über einen Flächentarifvertrag für Lokomotivführer und Zugbegleiter. Frank Schmidt, GdL-Bezirkschef in Nordrhein-Westfalen, sagte dem Westfalen-Blatt : "Streik kommt für uns nicht infrage. Wir sind bei unseren Verhandlungen auf einem guten Weg."