ZEIT ONLINE: In der Studie Big Oil Goes to College untersucht das Center of American Progress Forschungskooperationen zwischen großen Ölfirmen und amerikanischen Universitäten. Haben solche Kooperationen an Bedeutung gewonnen?

Kate Gordon: In jüngster Zeit beobachten wir einen wachsenden Zufluss finanzieller Mittel aus der Privatwirtschaft an die Universitäten. Vor allem Ölkonzerne geben Geld, um neue Energien zu erforschen: ExxonMobil, Chevron, BP, Shell und ConocoPhillips beispielsweise. Während die Bedeutung der Unternehmen für die Universitäten steigt, sind die Forschungsausgaben des Staates seit dem Ölpreisschock der 1970er deutlich zurückgegangen.

ZEIT ONLINE: Ihre Studie zeigt, dass die Unabhängigkeit der Universitäten darunter leidet.

Gordon: Wir haben nur zehn Kooperationsverträge über Forschungsgelder von insgesamt 833 Millionen Dollar untersucht, deshalb sind die Ergebnisse nicht repräsentativ. Aber die Vereinbarungen schränkten die akademische Freiheit in vielen Fällen tatsächlich ein. Zumeist behielten die Unternehmen die Kontrolle über die Evaluierung und Auswahl von Forschungsaufträgen. Die Vergabekriterien waren intransparent. Den Firmen wurde erlaubt, die Ergebnisse monatelang vor der Öffentlichkeit verborgen zu halten. Und kein einziger Vertrag schrieb vor, dass Ergebnisse im Peer Review geprüft werden sollten. Peer Review , also die Begutachtung wissenschaftlicher Arbeiten durch gleichrangige Forscher, ist aber der wichtigste Mechanismus, um die akademische Qualität im Wissenschaftsbetrieb zu sichern. Manche Unis sagten uns, dass sie den Peer Review in der Praxis nutzen, aber die Verträge schrieben ihn nicht vor.

ZEIT ONLINE: Woran machen Sie den wachsenden Einfluss der Konzerne außerdem fest?

Gordon: Die von uns untersuchten Verträge stehen für eine ganz neue Art der Beziehung zwischen der Privatwirtschaft und den Universitäten. Früher gab es Kooperationen mit einzelnen Professoren. Jetzt geht es um Vereinbarungen über viele Millionen Dollar, die ganze Institute finanzieren: Gebäude, Labore, und so weiter.