In einer ersten Rede in Großbritannien seit seinem Amtsantritt verteidigte der neue Chef des BP-Konzerns das Krisenmanagement des Unternehmens während der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Medien und Konkurrenten warf er vor, nach der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon im April unnötig Ängste geschürt und voreilig geurteilt zu haben.

Dudley sagte, er sei schockiert über den andauernden "medialen und politischen Feuersturm", den die Ölkastastrophe ausgelöst habe. Dieser habe zwischenzeitlich gar die Existenz des gesamten Unternehmens infrage gestellt. "Viele Beobachter haben ihre Meinung geäußert, bevor überhaupt die Fakten bekannt waren", sagte er.

Er selbst habe nach der Explosion Grafiken gesehen, die einen weit drastischeren Verlauf der Pest vermuten ließen. Die Katastrophe habe jedoch nie derartige Ausmaße angenommen. "Ich hoffe, dass wir in den kommenden Monaten und Jahren zu einem ausgewogenen Urteil darüber kommen werden, was passiert ist", sagte Dudley. Er sei zuversichtlich, dass BP das Vertrauen seiner Kunden wiedergewinnen werde.

Im April hatte die Explosion der Ölplattform eine Umweltkatastrophe ausgelöst. Insgesamt waren geschätzte 780 Millionen Liter Rohöl ins Meer geflossen – mehr als jemals zuvor bei einem Ölunfall. Mehrere Anläufe, das aus mehreren Lecks ausströmende Öl zu stoppen, scheiterten nicht zuletzt, weil die Experten keine Erfahrungen mit Rettungsarbeiten in 1500 Metern Tiefe hatten. Erst im August war das Loch wieder dicht.

Dudley trat zugleich dem Gerücht entgegen, sein Konzern werde sein Geschäft in den USA aufgeben. Das Unternehmen werde in Amerika bleiben und weiterhin auch in der Tiefsee nach Öl bohren, sagte er. Der Konzern werde sich jedoch von vier Ölfeldern im Golf von Mexiko trennen. Die Einnahmen sollten die Kosten der dort verursachten Ölpest decken helfen. Die Anteile würden für 650 Millionen Dollar bis Anfang 2011 an das japanische Handelshaus Marubeni verkauft. Ein Sprecher sagte, die Felder hätten ohnehin zum Verkauf gestanden. BP hatte bereits zuvor angekündigt, sich von Vermögenswerten von insgesamt 30 Milliarden Dollar zu trennen, um genügend Geld für die Folgekosten der Ölkatastrophe zu haben.

Dudley steht seit Anfang Oktober an der Spitze des britischen Konzerns. Er hatte den früheren Konzernchef Tony Hayward abgelöst, der wegen seines unglücklichen Krisenmanagements immer stärker unter Druck geraten war.