Frage: Herr Kienbaum, Ihr Vater Gerhard fuhr nach dem Krieg noch mit dem Fahrrad zu seinen Beratungskunden. Welchen Dienstwagen haben Sie?

Jochen Kienbaum: Ich habe mehrere Autos: Meist fahre ich mit meinem BMW Mini.

Frage: Keinen Maserati?

Kienbaum: Nein.

Frage: Der Chef der gemeinnützigen Treberhilfe fuhr einen Maserati für 112.000 Euro als Dienstlimousine. Ihre Berater hatten dies als "angemessen" begutachtet, wie auch das Bruttojahresgehalt von 322.000 Euro plus 90.000 Euro Altersvorsorge. Dafür bezog Kienbaum öffentlich Prügel. Zurecht?

Kienbaum: Rein steuerrechtlich betrachtet war das Gutachten völlig in Ordnung. Rückblickend aber würden wir sicher nicht noch einmal so entscheiden. Das war unsensibel.

Frage: "Maserati-Harry" Harald Ehlert trat zurück. Gab es auch Konsequenzen in Ihrem Hause?

Kienbaum: Gutachten zur Angemessenheit des Gehalts sind nun immer mit der Geschäftsleitung abzustimmen. Wir sehen schon, dass manch ein Geschäftsführer sein extremes Gehalt absichern lassen will. Von solchen Leuten lassen wir uns nicht vor den Karren spannen.

Frage: Bestsellerautor Jo Nesbø beschreibt in seinem Krimi Headhunter die Branche als "Cowboy-Industrie". Realistisch?

Kienbaum: Das Buch habe ich mit Interesse gelesen. Nesbø beschreibt jedoch unseriöse Headhunter ohne jedes Berufsethos. Insgesamt sehe ich nicht, dass sich die Schwarzen Schafe enorm vermehrt haben. Wahllosen Versand von Lebensläufen ohne Auftrag – eigentlich ein Tabu in unserer Branche – gibt es aber in der Tat immer öfter.

Frage: Kienbaum schaltet viele Personalsuchanzeigen. Internationale Top-Headhunter belächeln dies oft. Ärgert Sie das?

Kienbaum: Arroganz ärgert mich, aber wir sehen das ganz sachlich. Auch wir sind Headhunter und sehr stark auf Direktsuche konzentriert. Anzeigen sind eine Ergänzung. Parallel dazu wollen wir noch mehr Top-Positionen in den Chefetagen besetzen. Unsere Kontakte zu Aufsichtsräten, die wir neuerdings zu allen Fragen rund um die Corporate Governance beraten, bringen uns wichtige Aufträge.

Frage: Sie wollen mehr Vorstandssessel besetzen. Und die internationalen Top-Personalberater wildern in Ihrem Revier, dem mittleren Management. Ist der Markt zu eng?

Kienbaum: Ob die internationalen Headhunter für das mittlere Management Kompetenz haben, das müssen sie erst einmal beweisen. Unter den 5000 Headhuntern verdingen sich auch viele Ex-Konzernmanager als Einzelberater. Aber die Konkurrenz wird immer größer.

Frage: Wie wichtig ist heute Internationalität für Headhunter?

Kienbaum: Wir müssen mit unseren Kunden im Ausland wachsen, sonst springen die zu den großen Netzwerken ab. 22 weltweite Standorte hat Kienbaum. Wir visieren 40 bis 50 Auslandsbüros an, weitere in China und Russland. 2011 gründen wir eine erste Tochter in Indien.