Die Staatsanwaltschaft Bochum hat im Zusammenhang mit der Arcandor-Pleite Wohn- und Geschäftsräume des früheren Konzernchefs Thomas Middelhoff durchsuchen lassen. Ein Büro Middelhoffs in Köln sowie Wohnräume in Bielefeld seien von den Beamten aufgesucht worden, sagte ein Sprecher des Managers.

Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte, dass die Behörde wegen des Verdachts der Untreue gegen ehemalige leitende Arcandor-Mitarbeiter tätig wurde. Zu dem Konzern gehörte unter anderem die Warenhauskette Karstadt.

Middelhoffs Anwalt Sven Thomas sprach von einer "Aktion für die Galerie". "Wir haben der Staatsanwaltschaft schon vor einem Jahr angeboten, alle Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Darauf haben wir keine Reaktion erhalten. Jetzt ist das Material medienwirksam abgeholt worden", sagte der Düsseldorfer Strafverteidiger.

Auch die Staatsanwaltschaft Köln ließ Geschäftsräume durchsuchen. Hier ging es einem Sprecher zufolge um den Verdacht von Vermögens-, Steuer- und Korruptionsdelikten. Razzien habe es unter anderem bei einem Unternehmer in Troisdorf bei Bonn und bei ehemaligen Managern der Sparkasse Köln-Bonn gegeben.

Nach einem Bericht des WDR wurden auch die Geschäftsräume des Oppenheim-Esch-Immobilienfonds durchsucht. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit längerem gegen frühere Verantwortliche des Bankhauses Sal Oppenheim . Dabei geht es Zeitungsberichten zufolge um Darlehen, die Sal Oppenheim an die einstige Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz vergeben haben soll.

Die beiden Staatsanwaltschaften hätten die Razzien koordiniert, da es "Überschneidungen" gegeben habe. Insgesamt waren mehr als 200 Ermittler von Polizei, Justiz und Steuerbehörden aktiv.

In Gang gebracht hatte die Ermittlungen der frühere Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg. Er hatte Klage gegen Middelhoff und weitere frühere Arcandor-Führungskräfte eingereicht. Einem Sprecher Görgs zufolge geht es bei der Klage um Schadenersatz von über 175 Millionen Euro. Auslöser der Klage war der Verkauf von fünf Karstadt-Immobilien an den Oppenheim-Esch-Fonds der Privatbank Sal. Oppenheim und des Kölner Bauunternehmers Josef Esch. Die Immobilien wurden nach Ansicht des Insolvenzverwalters weit unter Marktwert verkauft und mussten zu überhöhten Preisen zurück gemietet werden.