Der für das Jahr 2011 geplante Zusammenschluss von VW und Porsche könnte sich deutlich verzögern. Im Extremfall kann es Jahre dauern, bis Porsche komplett unter das Dach von Europas größtem Autobauer schlüpft. In Gefahr sei der Zusammenschluss aber nicht, sagte VW-Konzernchef Martin Winterkorn, der auch die Porsche-Obergesellschaft Porsche SE führt. "Der integrierte Automobilkonzern wird umgesetzt."

Grund für eine Verzögerung könnte die noch immer schwelenden juristischen Auseinandersetzung nach dem verlorenen Übernahmekampf mit VW sein, sagte Winterkorn bei der Bilanzvorlage von Porsche. Die Stuttgarter hatten sich mit schwer durchschaubaren Aktiengeschäften 2008 die Mehrheit an Volkswagen gesichert und dabei erdrutschartige Aktienkursbewegungen ausgelöst. Deshalb kämpft Porsche derzeit juristisch an mehreren Fronten.

In den USA hat eine Gruppe von Investmentfonds wegen angeblicher Falschinformationen und Marktpreismanipulation gegen die Schwaben geklagt. Es geht um mehrere Milliarden US-Dollar Schadenersatz. Mitte Januar will das Gericht entscheiden, ob es die Klage zulässt. Sollte dies der Fall sein, droht Porsche ein jahrelanger Rechtsstreit. Auch in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Marktmanipulation.

Zu einer Verschiebung des ursprünglichen Zeitplans könnte es nach Angaben von Porsche-SE-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch auch kommen, weil die steuerliche und rechtliche Prüfung der komplexen Transaktion noch nicht abgeschlossen sei. Ein neuer Zeitplan könnte wegen der Unwägbarkeiten derzeit nicht aufgestellt werden.

"Unser erklärtes Ziel ist und bleibt die Verschmelzung", sagte Winterkorn. Dabei ist geplant, die Volkswagen AG mit der Dachgesellschaft Porsche SE zu vereinen. Sollte dies nicht gelingen, haben sich die Autobauer ein Hintertürchen offengehalten, um Porsche komplett in den VW-Konzern zu integrieren. Die Wolfsburger haben im Fall der Fälle auch die Möglichkeit, die restlichen 50,1 Prozent der Anteile am Porsche-Sportwagengeschäft zu übernehmen. Bisher hält VW 49,9 Prozent. Die Aufstockung wäre aber erst im Zeitraum zwischen dem 15. November 2012 und 31. Januar 2015 möglich.

Ungeachtet der Probleme wollen die beiden Autobauer den nächsten Schritt schnell in Angriff nehmen. Am 30. November sollen die Porsche-Aktionäre auf der Hauptversammlung einer Kapitalerhöhung im ersten Halbjahr 2011 zustimmen. Diese soll bis zu fünf Milliarden Euro bringen. Mit dem Geld soll auch der Schuldenberg der Porsche SE verringert werden. Auf der Holding lasten wegen der gescheiterten VW-Übernahme noch immer Schulden von rund sechs Milliarden Euro.

Auch die operative Zusammenarbeit treiben Porsche und VW weiter voran. Gemeinsam seien zahlreiche große und kleinere Kooperationsprojekte auf den Weg gebracht worden, sagte Winterkorn. "Mit seiner hohen Sportwagenkompetenz wird Porsche im Konzernverbund eine wichtige Rolle spielen." Mittelfristig sollen die Stuttgarter ihren Absatz auf 150.000 Sport- und Geländewagen steigern.

In das im August begonnene Rumpfgeschäftsjahr (31. Dezember) startete Porsche mit einem Absatz- und Umsatzplus. Von 2011 an wird das Geschäftsjahr wie bei VW an das Kalenderjahr angepasst.

Im Geschäftsjahr 2009/2010 hatte Porsche den Absatz um knapp neun Prozent auf 81.850 Fahrzeuge gesteigert. Der Umsatz erreichte mit 7,8 Milliarden Euro den höchsten Wert der Unternehmensgeschichte. Im Autogeschäft steigerten die Stuttgarter ihren operativen Gewinn deutlich auf 1,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 700 Millionen Euro).

Auch bei der stark gebeutelten Dachgesellschaft Porsche SE schrumpfte der Verlust auf 454 Millionen Euro (Vorjahr: 3,6 Milliarden Euro). Grund für den Verlust sind Belastungen im Zuge der geplanten Verschmelzung. 2011 rechnet Porsche aber auch hier wieder mit Gewinn.