Hessens Ex-Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ist nun doch als Chef von Deutschlands zweitgrößtem Baukonzern Bilfinger Berger im Gespräch. Aufsichtsratschef Bernhard Walter teilte in Mannheim mit, er nehme im Zusammenhang mit der geplanten Neubesetzung des Postens des Vorstandsvorsitzenden eine Reihe von Kandidaten unter die Lupe. Seit Mitte September würden auch Gespräche mit dem CDU-Politiker geführt. Eine Entscheidung sei bisher nicht gefallen, diese bedürfe ohnehin noch der Zustimmung der zuständigen Gremien.

Koch, 52, hat nach Informationen des Handelsblatt mehrere Angebote für Spitzenposten bei Banken und anderen Unternehmen erhalten. Bei Bilfinger Berger sei Koch der Favorit von Aufsichtsratschef Walter. Koch wollte sich dazu nicht äußern. Laut Handelsblatt will der Hesse sich spätestens im Januar für ein Angebot entscheiden.

Koch hatte im Mai überraschend seinen Rückzug aus der Politik angekündigt und war Ende August nach elf Jahren an der hessischen Regierungsspitze aus dem Amt geschieden, um in die Wirtschaft zu wechseln. Kurz vor seinem Ausscheiden hatte der CDU-Politiker Berichte dementiert, er werde an die Spitze von Bilfinger Berger wechseln.

Derzeit wird der durch Pfusch an zwei U-Bahn-Baustellen in die Schlagzeilen geratene Baukonzern von Herbert Bodner geführt, dessen Vertrag zur Jahresmitte 2011 ausläuft. Der Aufsichtsrat des Unternehmens ist bereits seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Nachfolger für den gebürtigen Österreicher, der seit 1999 an der Unternehmensspitze steht.

Bilfinger Berger peilt nach einem kräftigen Gewinnsprung im ersten Halbjahr in diesem Jahr das beste Ergebnis der Firmengeschichte an. Die Leistung blieb in den ersten sechs Monaten zum Vorjahreszeitraum zwar unverändert bei 3,8 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) konnte Bilfinger aber auf 135 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Der Gewinn sprang von 65 Millionen auf 118 Millionen Euro.