Niederlage für die Pilotenvereinigung Cockpit: Die Gewerkschaft wollte die Fluglinie Air Berlin eigentlich "ab Mitte der Woche" im gesamten Bundesgebiet bestreiken . Das Frankfurter Arbeitsgericht verbot den Ausstand aber und gab damit einem Antrag von Air Berlin statt.

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft hatte eine einstweilige Verfügung gegen die Streikpläne beantragt. Air Berlin hatte den Antrag damit begründet, dass die Urabstimmung für den Streik sich nur auf einen Teil und nicht auf das Gesamtpaket des Ende August ausgehandelten Kompromisses bezogen habe. Damit sei die Abstimmung aus Sicht des Unternehmens ungültig gewesen.

Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel sagte, man hoffe, dass die Vereinigung Cockpit jetzt an den Verhandlungstisch zurückkehren und möglicherweise auch einen Schlichter akzeptieren werde. Gewerkschaftssprecher Jörg Handwerg kündigte dagegen einen neuen Anlauf für einen Streik an. Denn die Argumentation von Air Berlin vor Gericht zeige, so der Sprecher, dass bei dem Unternehmen kein ernsthafter Einigungswille bestehe.

In dem seit knapp zwei Jahren andauernden Konflikt zwischen der Fluglinie und der Gewerkschaft geht es um die künftigen Arbeits- und Bereitschaftszeiten der Piloten. Im Sommer hatten sich Air Berlin und Vereinigung Cockpit bereits auf einen Vorvertrag für einen Tarifabschluss geeinigt. Das Ergebnis sah vor, dass sich die Arbeitsbedingungen der Air-Berlin-Piloten bis 2013 schrittweise an das bessere Niveau der Tochtergesellschaft LTU angleichen. Geregelt wurden zudem Urlaub, die Zahl freier Tage sowie Dienstplanmodelle. Auch hatten sich beide Seiten darauf geeinigt, zum Sommerflugplan 2011 die Crews auf ausgewählten, besonders weiten Langstreckenflügen durch einen dritten Piloten zu verstärken.

Vor allem diesen Punkt griff die Frankfurter Richterin Frauke Denecke in ihrer Urteilsbegründung auf. Entsprechende Langstreckenflüge gebe es bei Air Berlin derzeit noch nicht – lediglich bei der LTU. Ein Streik sei deswegen zum jetzigen Zeitpunkt nicht begründet. "Wir können Sie nur ermutigen, an den Verhandlungstisch zurückzukehren", sagte Denecke.

Die Gewerkschaft hatte Air Berlin vorgeworfen, das Unternehmen habe das endgültige Vertragswerk anders formuliert als ursprünglich vereinbart. Die Fluggesellschaft entgegnete, die Pilotenvertreter hätten Forderungen nachgeschoben.