Frage: Herr Voigtländer, hat Sie der abrupte Abbruch der Fusionsgespräche mit der BayerrnLB geschockt?

Dietrich Voigtländer: Mittwoch Abend hat mich BayernLB-Chef Gerd Häusler angerufen, um abzusagen. So richtig überrascht war ich nicht. Bereits in den vergangenen Wochen war zu spüren, dass die Begeisterung in München nachließ. Das Vorhaben wurde nicht von allen unterstützt.

Frage: Verstehen Sie die Entscheidung?

Voigtländer: Nein. Wir standen bei unserem gemeinsamen Fusionsvorhaben kurz vor der Detailprüfung.

Frage: Scheiterte die Fusion aus betriebswirtschaftlichen Gründen?

Voigtländer: Ohne Detailprüfung können betriebswirtschaftliche Gründe nicht herangezogen werden.

Frage: Müssten Sie jetzt nicht zurücktreten?

Voigtländer: Meine Vorstandskollegen und ich stehen für eine Konsolidierung unter den Landesbanken. Daran hat sich seit Juli 2008 nichts geändert, als die WestLB die Entscheidung fasste. Im Übrigen kommt die Restrukturierung der Bank gut voran.

Frage: Der Aufsichtsrat steht noch hinter Ihnen?

Voigtländer: Ich erhielt bereits vor Beginn der Fusionsprüfung breite Unterstützung aus dem Aufsichtsrat. Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass wir zusammen mit den anderen Landesbanken hier vorankommen wollen und auch müssen. Dabei ist die WestLB-Kernbank nach der Restrukturierungsarbeit der letzten beiden Jahre zu einer auf vier Geschäftsfelder fokussierten Bank mit signifikant verbessertem Risikoprofil, angemessener Kapitalisierung und stabiler Refinanzierungsbasis geworden.

Frage: Rückt die Abwicklung der WestLB nach den jüngsten Ereignissen näher?

Voigtländer: Nein, sicher nicht. Wir haben die letzten Jahre genutzt, um die Bank neu zu positionieren, und machen gute Fortschritte als Sparkassen-Zentralbank, im Zertifikategeschäft, bei der Finanzierung von Unternehmen und der öffentlichen Hand. Das gilt nicht nur in Deutschland, sondern auch für Europa und im internationalen Geschäft.