Die König-Saud-Universität in Riad ist das Gehirn Saudi-Arabiens: Hier entwickeln Professoren und Studenten Pläne für die Zukunft des größten arabischen Landes: für eine Zukunft ohne Öl.

"Wir wollen eine wissensbasierte Volkswirtschaft aufbauen", sagt der Präsident der Uni, Al-Othman, und "in Industrien vordringen, die noch von den entwickelten Ländern monopolisiert sind".

Am Sonntag unterzeichnete der Scheich einen Vertrag mit Y.K. Jeon, dem Chef der südkoreanischen Digm-Automotive-Technologies-Gruppe – mit der er künftig ein eigenes saudi-arabisches Auto bauen will: den Sedan-1. Das Modell soll zum Preis von 9000 bis 12.000 Dollar verkauft werden. Es gebe dafür "einen guten Markt", sagt Al-Othman.

Das neue arabisch-koreanische Industrieprojekt wird über ein Kapital von umgerechnet 500 Millionen Dollar verfügen. Zehn Prozent kommen von der König-Saud-Universität (KSU), 30 Prozent von der koreanischen Firma und der Rest von Investoren aus der Region.

Mit dem Sedan-1 will sich Saudi-Arabien von etablierten Autoproduzenten emanzipieren. Denn mit deren Hilfe bauen die Saudis schon seit einiger Zeit an einem Auto. Mitte Juli enthüllte König Abdullah in der Hafenstadt Dschidda den Geländewagen Ghazal 1 ("Gazelle"), einen Umbau der G-Klasse von Mercedes, von dem künftig 20.000 Stück im Jahr vom Band laufen sollen. Im Dezember folgte der Kompaktwagen Aseela, ein Umbau des Modells Persona von dem malaysischen Hersteller Proton.

Der Sedan-1 solle komplett aus saudischen Teilen bestehen, sagte der künftige Chefingenieur, KSU-Technikprofessor Said Darwish, dem Handelsblatt. Nur bei der Motorenentwicklung soll die Expertise der Südkoreaner in Anspruch genommen werden. Geplant sei ein 1,6 und ein 2,0 Liter Benzinmotor. Laut Darwish ähnelt das neue Auto einem BMW und soll trotz des niedrigen Preises hochwertig ausgestattet werden.

Die gemeinsame Produktion des Personen- und Geländewagens soll Anfang 2014 beginnen. Vom Sedan-1 werden nach Angaben von Darwish im ersten Jahr 50.000 Fahrzeuge hergestellt. Anschließend soll die Produktion Jahr für Jahr verdoppelt werden. Als Standort für die neue Fabrik würden mehrere Gelände geprüft, erklärte Darwish – zwei in der saudischen Hauptstadt Riad und eines in der Hafenstadt Dschidda.

Wenig Chancen räumt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research in Duisburg einer Produktion in Saudi-Arabien ein. "Es fehlt dort außer an Treibstoff eigentlich an allem. Es gibt keine vernünftige Zuliefererstruktur, viel zu wenig Fachkräfte und weder ausreichendes Know-how in der Entwicklung noch im Vertrieb. Es dürfte kaum möglich sein, in Saudi-Arabien einen tragfähigen Autokonzern mit eigener Marke aufzubauen."

Saudi-Arabien unternimmt derzeit alles, um eine Industrie neben der Öl- und Gasbranche auszubauen: Die Produktion des Sedan-1 genannten Billigautos soll bereits in zwei Jahren beginnen.

An dem Joint Venture zwischen Riyad Valley, dem Investmentarm der König-Saud-Universität, und dem koreanischen Autohersteller Digm werde auch der staatliche saudische Investmentfonds einsteigen, berichten Medien in Riad.