Die Herrenrunde, die sich am 11. Dezember 2008 um 12.45 Uhr am Karstadt-Konzernsitz in Essen verabredet hatte, kam schnell zu einem Ergebnis. Laut einem Protokoll, das dem Handelsblatt vorliegt, dauerte die Diskussionsrunde jener neun Männer gerade einmal zehn Minuten. Am Ende ihres Treffens stand ein Beschluss, der den Kaufhauskonzern und Karstadt-Vorgänger Arcandor um weitere rund vier Millionen Euro ärmer machte. In der Runde dagegen machte sie zumindest einen Teilnehmer deutlich reicher: Der damalige Arcandor-Chef Thomas Middelhoff erhielt knapp 2,3 Millionen als Sonderbonus für seinen "strategischen Weitblick". Der zu dieser Zeit von den meisten Analysten bereits gescholtene Kaufhauskonzern war sechs Monate später pleite.

Das Treffen des "Ständigen Ausschusses" des Aufsichtsrats wird damit zum wichtigen Element in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaften in Bochum und Köln. Seit Monaten arbeiten sie daran, die Ursachen der Pleite des Kaufhauskonzerns und des tiefen Falls der mit Arcandor verbundenen Bank Sal. Oppenheim aufzuarbeiten.

Die Ermittler hegen den Verdacht, dass Middelhoff vor seinem Abgang bei Arcandor im März 2009 überhöhte Zahlungen erhalten hat. Bestätigt sich die Vermutung, wäre das eine strafbare Untreuehandlung zulasten des Kaufhauskonzerns. Middelhoffs Anwalt Sven Thomas weist den Verdacht zurück und hält auch die Millionenzahlung vom 11. Dezember für gerechtfertigt. Um Beweismaterial zu sichern, haben Staatsanwälte und Polizei bereits das Bielefelder Privathaus und das Kölner Büro Middelhoffs durchsucht. Die Ermittlungen dauern nach Auskunft der Staatsanwaltschaften noch an. Details nennen sie nicht.

Fest steht: Das Protokoll des Treffens am 11. Dezember liefert detailliertes Material. Eingeladen hatte der Aufsichtsratsvorsitzende Friedrich Carl Janssen, im Hauptberuf Finanzchef des Kölner Bankhauses Sal. Oppenheim und persönlich haftender Gesellschafter der Bank. Er war einen Monat zuvor in sein Amt beim Aufsichtsrat von Arcandor gekommen, nachdem Sal. Oppenheim eine Kapitalerhöhung bei dem Kaufhauskonzern gezeichnet hatte. Sie war die Voraussetzung dafür, dass Banken zunächst weiter Kredite für Arcandor bereitstellten und damit zumindest das Weihnachtsgeschäft des Kaufhauskonzerns sicherten. Das Bankhaus hielt durch die Kapitalerhöhung zu diesem Zeitpunkt 28,6 Prozent der Kaufhausaktien und war damit neben Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz der zweite Großaktionär bei Arcandor geworden.

Janssen bedauert zu Beginn des Treffens, dass er die Herren eine Woche zuvor am 4. Dezember nur mündlich einladen konnte. Eine schriftliche Einladung hätte wegen der "Dringlichkeit der Angelegenheit" zu lange gedauert. Dringlich war die Angelegenheit vor allem für Middelhoff. Ihm war nämlich nach einer entsprechenden Ad-hoc-Mitteilung des Konzerns vom Vortag klar, dass er nicht mehr lange an der Spitze des Konzerns stehen werde. An seiner Stelle sollte von März 2009 an der ehemalige Telekom-Finanzchef Karl-Gerhard Eick retten, was bei Arcandor noch zu retten war. Für Middelhoff dürfte es von nun an weniger ums Unternehmen, sondern mehr um die eigene Person gegangen sein.