Aus den Untersuchungen der Münchner Staatsanwaltschaft sind handfeste juristische Vorwürfe geworden: Gerhard Gribkowsky, bis 2008 im Vorstand der BayernLB für die Risikoanalyse zuständig, wird verdächtigt, Vermögen seines früheren Arbeitgebers veruntreut, Steuern in Millionenhöhe hinterzogen und Schmiergeld entgegengenommen zu haben. Seit diesem Mittwochmorgen sitzt der frühere Bankmanager wegen "dringenden Tatverdachts" hinter Gittern.

Grund für die Ermittlungen und die Verhaftung ist die ungeklärte Herkunft seines 50-Millionen-Dollar-Vermögens. Der Süddeutschen Zeitung (SZ) zufolge soll Gribkowsky diese Summe im Jahr 2007 ohne Wissen seines Arbeitgebers auf eine Salzburger Stiftung namens Sonnenschein transferiert haben. Die Summe kommt demnach aus Mauritius und der Karibik und wurde in zwei Tranchen überwiesen, eine davon von der First Bridge Holding Limited. Wer hinter dieser Holding steckt und warum die Millionen dem Banker zugeflossen sind – das war Anlass und Gegenstand der Untersuchungen.

Die Staatsanwaltschaft konzentrierte sich laut SZ dabei auf die Verbindungen Gribkowskys in die Formel 1, insbesondere zum Chef der Rennsportserie, Bernie Ecclestone. Die Kontakte kamen in den Jahren 2004 und 2005 zustande, als der Bankmanager Anteile der BayernLB an der Formel 1 verkaufen sollte. In deren Besitz kamen die Münchner eher zufällig durch die Pleite des ursprünglichen Rechteinhabers Leo Kirch, dem die Bank kurz zuvor noch einen Kredit über zwei Milliarden Euro gegeben hatte. Der Auftrag an Gribkowsky: Das Rechtepaket so schnell wie möglich verkaufen, damit die Bank wieder zu ihrem Geld kommt.

Das ist dem Juristen auch gelungen – mit offenbar enormen finanziellen Vorteilen auch für ihn persönlich. Ausgezahlt hat sich dabei offenbar seine Unterstützung für den Formel-1-Boss, als dieser geschäftlich und juristisch unter Druck geriet.

Denn ursprünglich hatte die BayernLB einen harten Kurs gegenüber Ecclestone gefahren. Zusammen mit den anderen Eigentümern der Rennsportserie, den beiden US-Banken Lehman Brothers und JP Morgan Chase, hatte sie verklagt. Ecclestone stand vor dem Ende seiner Laufbahn – bis die BayernLB einen Rückzieher machte und stattdessen – unter Federführung von Gribkowsky – ein Geschäft zu seinem Gunsten aushandelte: Die Vermarktungsrechte wurden an eine neue britische Gesellschaft verkauft, an der die Investmentgesellschaft CVC und zu einem kleinen Teil Ecclestone selbst beteiligt waren.

Gribkowskys Privatvermögen könnte seinen Ursprung in diesem Deal haben: Entweder als Belohnung von CVC dafür, dass er das Rechtepaket an sie verkauft hat. Oder als Dank von Ecclestone dafür, dass er ihm in der juristischen Auseinandersetzung beigesprungen war. Inzwischen geht auch die Staatsanwaltschaft von einem solchen Zusammenhang aus: Gribkowsky habe das Geld für sein "Entgegenkommen"  erhalten, entsprechende Zuwendungen seien als Beraterverträge getarnt gewesen. 

Die Süddeutsche zitiert Ermittlerkreise, in denen von "Deutschlands spektakulärstem und größtem Korruptionsfall" die Rede ist. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, muss Gribkowsky demnach mit einer Haftstrafe zwischen fünf und zehn Jahren rechnen. Hinzukommen eventuelle Ahndungen im Zusammenhang mit dem Kauf der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria durch die BayernLB. Auch deswegen ist Gribkowsky ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten und sieht sich Schadensersatzforderungen seitens seines früheren Arbeitgebers ausgesetzt.