Unwirsch ist der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) auf der Schlussgeraden des Landtagswahlkampfes geworden. Jedenfalls, wenn ihm gewisse Fragen gestellt werden. So zum Beispiel die, ob die von ihm persönlich eingefädelte Übernahme von 45 Prozent am Energiekonzern Energie Baden-Württemberg (EnBW) angesichts der Katastrophe in Japan den Steuerzahler nicht noch teuer zu stehen kommen könnte. Das sei "absoluter Quatsch", kanzelte der Regierungschef einen Fragesteller kürzlich am Rand einer Mittelstandsveranstaltung in Ulm ab.

Mappus bleibt dabei: Der kreditfinanzierte Kauf Anfang Dezember 2010 zum Preis von 4,67 Milliarden Euro, der mit den Dividendenzahlungen des Stromunternehmens beglichen werden soll, ist ein Segen für Baden-Württemberg. Vermutlich, tönte Mappus nach dem Aufkommen erster Kritik im vergangenen Jahr, blieben, bis die EnBW an einen verlässlichen Investor weitergereicht, bis sie womöglich in den Dax gebracht würde, fürs Land sogar noch viele Millionen Euro an Dividendenüberschuss übrig.



Während sich der politische Betrieb in Stuttgart neben dem Fall EnBW auch noch mit Stuttgart 21 beschäftigt, mit möglichen Koalitionsbildungen, mit den nun fast täglich aktualisierten Wahlprognosen, haben Fachleute ruhig weitergerechnet. In dieser Woche wurde mehreren Medien in Stuttgart eine interne Studie der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zugespielt. Dem Papier zufolge droht der EnBW bei einem schnellen Atomausstieg ein Wertverlust von bis zu 30 Prozent, sofern es bei der Brennelementesteuer bleibt. Für den 45-prozentigen Landesanteil an EnBW wäre das ein Minus von 1,3 Milliarden Euro, ebenso wie für den zweiten Großaktionär, die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW), die von neun Landkreisen gebildet werden.

Nicht erst seit dieser Woche wissen Analysten und Branchenkenner, dass der Karlsruher Stromriese schlechter aufgestellt ist als die Konkurrenz von RWE oder E.on. Die EnBW hat ihre Zukunft der Atomstromproduktion verschrieben. Der Vorstandsvorsitzende Hans-Peter Villis bestätigte das indirekt in der vergangenen Woche, als er in einer Pressemitteilung einen "offenen Dialog" mit der Politik anbot und warnend anfügte, nur dadurch könne "auch die Akzeptanz für den dringend benötigten Netzausbau und auch den Ausbau von Speicherkraftwerken in Deutschland erhöht werden".

Die EnBW hätte einen enormen Investitionsbedarf, müsste sie die Atomstromproduktion nun schnell ersetzen. Der Jahresüberschuss betrug im vergangenen Jahr 1,17 Milliarden Euro, davon stammen 90 Prozent aus der Stromerzeugung. Rund Dreiviertel davon wird mit Kernenergie erwirtschaftet, genauer: mit den vier Kernkraftwerken Neckarwestheim I und II sowie Philippsburg I und II.