Er wurde bereits als "Retter" des insolventen Wäschekonzerns gefeiert, nun hat sich die Zusammenarbeit zwischen Wolfgang Joop und dem Traditionsunternehmen Schiesser noch vor Beginn erübrigt. Der aktualisierte Markenauftritt und die Entwicklung der neuen Kollektion seien bereits so weit abgeschlossen, dass es wenig Spielräume für das Engagement des Designers gebe, erklärte Schiesser-Vorstandssprecher Rudolf Bündgen die Absage.

Die Entscheidung sei im Einverständnis mit Joop getroffen worden. Der Potsdamer Modemacher wollte Schiesser als Berater und Kreativdirektor zur Seite stehen. Kurz vor dem Jahreswechsel hatte Joop noch von einem mehrjährigen Engagement gesprochen.

Inzwischen kümmert er sich wieder verstärkt um sein eigenes, angeschlagenes Modelabel Wunderkind. Wie die Financial Times Deutschland berichtet, hat Joop bereits die Anteile der bisherigen Mehrheitsgesellschafter übernommen. "Ich habe die 65 Prozent des Ehepaars Sander mit meinem Privatvermögen zurückgekauft", sagte Joop. Damit hält der Modeschöpfer wieder 100 Prozent des Potsdamer Luxuslabels. Offiziell soll die Vereinbarung am Montag verkündet werden.

Mit seinem Engagement bei Wunderkind habe Joops Rückzieher bei Schiesser jedoch nichts zu tun, sagte eine Sprecherin von Schiesser. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass der 66-Jährige nicht exklusiv für das Unternehmen tätig sein werde. Schiesser hatte Ende 2010 seine Insolvenz offiziell beendet und ist seitdem eigenständig. Mittlerweile werden auch wieder schwarze Zahlen geschrieben. Geplant ist, dass Schiesser im zweiten Quartal 2011 an die Börse geht. Wegen der Turbulenzen in Japan könne sich der Start aber noch verschieben, sagte die Sprecherin.