In japanischen Regierungskreisen wird eine Verstaatlichung des Kraftwerkbetreibers Tepco erwogen. Das sei eine Option, sagte der Minister für die nationale Politik, Koichiro Gemba, laut der Nachrichtenagentur Kyodo. Hintergrund ist, dass auf Tepco gewaltige Entschädigungszahlungen an die Opfer der Katastrophe zukommen dürften.

Yukio Edano, Sprecher der Regierung, sagte hingegen, keine Regierungsorganisation denke derzeit über eine solche Verstaatlichung nach. Es sei die höchste Priorität für die Regierung, Tepco anzuweisen, alles zu tun, das AKW unter Kontrolle zu bekommen und sich um die Auswirkungen der Katastrophe zu kümmern, so Edano laut der Online-Seite der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei.

Der japanische Ministerpräsident Naoto Kan beschreibt die Lage im havarierten AKW Fukushima-1 als weiterhin "unvorhersehbar". Er wies Kritik der Opposition zurück, sein Hubschrauberflug über das Atomkraftwerk kurz nach Beginn der Krise habe möglicherweise den Katastropheneinsatz des Betreibers behindert.

Arbeiter versuchen auch am Dienstag weiter, radioaktiv verseuchtes Wasser aus den Turbinengebäuden der Reaktoren 1 bis 3 abzupumpen. Erst wenn das Wasser beseitigt ist, können die Männer ihren Plan verfolgen, die dringend nötigen Kühlsysteme wieder in Gang zu bringen. Im Boden um das Kraftwerk war zuvor hochgiftiges Plutonium entdeckt worden. Die Dosierung sei jedoch für Menschen nicht gefährlich, teilte AKW-Betreiber Tepco mit.

Die gemessenen Werte entsprächen jenen von Plutonium, die auch unter normalen Bedingungen in der Umwelt festzustellen sind. Die Menge des hochgiftigen Stoffes ist demnach äußerst gering. In der Natur bereits vorhandene Plutonium-Isotope sind Überbleibsel der atmosphärischen Atombombentests in den 1950er und Anfang der 1960er Jahre. Allerdings gibt es wohl bei zwei von fünf Proben einen direkten Zusammenhang mit den Reaktorunfällen. Die Aktivität der entdeckten Plutonium-Isotope deute daraufhin. Sie stammen von Brennstäben der Anlage, die bei dem Erdbeben am 11. März schwer beschädigt wurde. Aus welchem Block genau, sei aber nicht bekannt. Tepco kündigte an, weitere Bodenproben nehmen zu wollen.

Der Chef der US-Atomregulierungsbehörde (NRC), Gregory Jaczko, sprach nach einem Treffen mit japanischen Regierungskollegen und Atomexperten in Tokyo von einer "anhaltend ernsten Herausforderung". Die NRC und das US-Energieministerium haben Dutzende Fachleute nach Japan geschickt, um die Lage einzuschätzen und Experten vor Ort zu beraten.