In den Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn (DB) und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) sind sich beide Seiten näher gekommen. Die Bahn sei nun ohne weitere Vorbedingungen bereit, einen bundesweit gültigen Rahmentarifvertrag für Lokführer abzuschließen. Bisher hatte die Bahn darauf bestanden, dass vor einem solchen Abschluss erst 50 Prozent der Privatbahnen einen solchen Tarifvertrag unterzeichnen sollten.

GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky sagte, die bisherigen Zwischenergebnisse ließen den Schluss zu, dass die DB zu einem Ergebnis bereit sei. Man werde deshalb zunächst auch weiterhin auf Streiks bei der DB verzichten. Für diesen Freitag wurde bereits ein weiteres Treffen in Berlin vereinbart.

Anders ist die Lage bei den großen Bahnkonkurrenten. Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn verweigern sich weiter neuen Verhandlungen. "Deshalb werden wir dort auch weiter streiken", drohte Weselsky. Wann und wo es neue Streiks geben könnte, ließ er offen.

Erklärtes Ziel der GDL sind einheitliche Tarifstandards für etwa 26.000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr – unabhängig davon, bei welchem Unternehmen sie beschäftigt sind. Dabei dürfe es für die Mitarbeiter der Deutschen Bahn keine Einschnitte geben, betonte Weselsky.

Die Deutsche Bahn strebt nach den Worten ihres Personalvorstandes Ulrich Weber im Interesse der Fahrgäste eine rasche Einigung an: "Ich denke, Priorität hat unverändert die Idee eines Rahmentarifvertrages für Lokomotivführer." Dieser steht nach GDL-Aussage inzwischen. Nach Darstellung einer GDL-Sprecherin "hakt es" dagegen noch beim parallel verhandelten Lokführer-Tarifvertrag bei der Bahn. Offene Punkte sollen der GDL zufolge vor dem nächsten Verhandlungstermin sondiert werden.

Die Deutsche Bahn AG hatte vor wenigen Tagen ihren Willen zum Abschluss eines neuen Tarifvertrages bekräftigt. Das Unternehmen bietet rückwirkend zum 1. März 1,8 Prozent mehr Geld und weitere 2,0 Prozent zum 1. Januar 2012. Hinzu soll ein Aufschlag im Volumen von 1,2 Prozent durch diverse Sozialleistungen kommen. Die GDL hat beim Einkommen einen Aufschlag von fünf Prozent verlangt.