Zum ersten Mal zitterten Investoren und Fans am 31. Juli 2004: In einer Notoperation entfernten Ärzte Apple-Chef Steven Paul Jobs einen bösartigen Tumor in der Bauchspeicheldrüse. Als es 2008 neue Mutmaßungen über seinen Gesundheitszustand gab, begegnete Jobs dem offensiv und ließ bei der Präsentation einer neuen Laptop-Generation seine Blutwerte einblenden. Spätestens seitdem hing der Aktienkurs des Unternehmens direkt von seinem Wohlbefinden ab.

"Die Marke Apple ist um die Person Steve Jobs herum geschaffen worden", sagt IT-Analyst Rob Enderle. Seine Präsentationen sind legendär, der Apple-Gründer gilt vielen als Zauberer. Er ist der Popstar der Wirtschaftswelt.

Das, so fürchten viele, könnte dem Konzern jetzt zum Verhängnis werden. Vom Design über die Vermarktung habe Jobs in jeder noch so kleinen Entscheidung das letzte Wort gehabt, sagt Enderle. Apple drohe ohne Jobs der Verlust von Relevanz. Bereits jetzt dächten führende Kräfte darüber nach, nach dem Rückzug ihres Chefs das Unternehmen zu verlassen.

Timothy Cook soll das verhindern. Doch viele trauen dem neuen Apple-Chef, dem operativen Kopf und Zahlenjongleur, den Job nicht zu. Ihm fehle die Innovationskraft und Weitsicht, vor allem aber das Charisma eines Steve Jobs. Cook, der die große Bühne scheut und für den Konferenzen und Auftritte stets Überwindung bedeuten, sei eine starke Nummer zwei, kein Alphatier wie Steve Jobs, sagt Analyst Enderle. Das sah offenbar auch Cook selbst lange so. "Steve Jobs ersetzen?", zitierte das Fortune Magazine Tim Cook im November 2008. "Kommen Sie, niemand kann Steve Jobs ersetzen."

Dabei ist er selbst auf dem besten Weg.

"Tim Cook hat das Unternehmen schon dreimal geleitet und sich dabei sehr gut geschlagen", sagt Michael Gartenberg, Analyst bei der Investmentberatung Gartner Connecticut. Als der Apple-Chef 2004 zum ersten Mal eine Auszeit hatte nehmen müssen, war Cook eingesprungen und hatte das Tagesgeschäft übernommen. Auch 2009 war Cook zur Stelle – und sorgte mit seinem geradlinigen Führungsstil sogar dafür, dass die Aktien in den vier Monaten um 60 Prozent an Wert zulegten. Seit Januar dieses Jahres hatte der Geschäftsführer die Unternehmensführung erneut übernommen. Was jetzt offiziell sei, so Gartenberg, habe intern schon lange statt gefunden.

Seit der 50-jährige Computerveteran aus Alabama – Cooks arbeitete für Compaq und IBM – 1998 von Steve Jobs ins Unternehmen geholt wurde, baute er seine Verantwortung im Apple-Imperium Stück für Stück aus. Cook entschlackte das hochkomplexe und weit verzweigte Produktionsnetz, lagerte die Produktion an Drittfirmen in China aus und drückte die Kosten. Für den heutigen Erfolg des Konzerns, sagen viele, sei das ebenso entscheidend gewesen wie die Design-Entwürfe eines Jonathan Ive. 2005 machte Jobs ihn zum Geschäftsführer.