E.on will nach der Atomwende der Bundesregierung hart sparen. Deutschlands größter Energiekonzern prüft den Abbau von 9.000 bis 11.000 Arbeitsplätzen. Damit ist mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz des Düsseldorfer Unternehmens unsicher. E.on wolle in den kommenden Jahren die Kosten um 1,5 Milliarden Euro senken, sagte Konzernchef Johannes Theyssen. Vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung könnten betroffen sein. Teyssen verlangte, dass eine deutliche Kostenreduzierung "schnell und dauerhaft" erreicht werden müsse.

E.on beschäftigt weltweit 85.000 Mitarbeiter. Die Rücknahme der Laufzeitverlängerung bei den Atommeilern, Probleme mit ungünstigen Gaslieferverträgen und niedrigere Stromerlöse drückten das bereinigte Ergebnis im zweiten Quartal erstmals in die Verlustzone. Die Belastungen aus dem Atomausstieg inklusive Brennelementesteuer lagen im ersten Halbjahr bei 1,9 Milliarden Euro, teilte E.on mit.

Kritik an "Markteingriffen" durch die Politik

E.on senkte seine Prognose für 2011 auf einen bereinigten Überschuss von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro. Das Dividendenziel wurde auf nur noch 1,00 Euro pro Aktie festgelegt.

Teyssen sprach in seinem Halbjahresbericht von einem "dramatisch verschlechterten Ergebnis". Man gehe davon aus, dass Überkapazitäten in den wesentlichen europäischen Energiemärkten, Technologieumbrüche sowie absehbare Markteingriffe durch Politik und Regulatoren auch in den nächsten Jahren das Geschäft erheblich belasten würden.

Auch beim E.on-Konkurrenten RWE waren im ersten Halbjahr 2011 die Gewinne stark zurückgegangen. Mit Verweis auf den deutschen Atomausstieg hatte der Essener Konzern eine Gewinnwarnung für 2011 abgegeben.

"In den letzten Jahren ist es trotz zahlreicher Anstrengungen nicht gelungen, unsere Verwaltung zu vereinfachen", gab Teyssen zu, "wir können uns, nicht nur, aber vor allem in Deutschland keine unnötigen Führungsebenen, Abläufe und Doppelarbeit leisten". Die Überlegungen würden in den kommenden Wochen konkretisiert. Die Entscheidungen im Aufsichtsrat sollen im Herbst fallen.

Die Gewerkschaft ver.di teilte mit, E.on schließe betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Einhalten wolle der Konzern lediglich die derzeitigen Vereinbarungen, denen zufolge solche Kündigungen bis Ende 2012 nicht möglich sind. Zur Disposition stellt E.on der Gewerkschaft zufolge alle Verwaltungseinheiten, insbesondere E.on Energie in München und die drei Kraftwerk-Gesellschaften.