Scotland Yard hat im Abhörskandal um die Boulevard-Zeitung News of the World einen weiteren Verdächtigen festgenommen. In London nahmen Beamte einen 71-jährigen Mann in Gewahrsam, der in das systematische Abhören von Telefonen und die Bestechung von Polizeibeamten durch Mitarbeiter der inzwischen eingestellten Boulevardzeitung verwickelt gewesen sein soll. Britischen Medienberichten des Guardian zufolge handelt es sich um den früheren leitenden Redakteur der Zeitung, Stuart Kuttner.

Die frühere Chefredakteurin der News of the World, Rebekah Brooks, hatte vergangenen Monat während einer Parlamentsanhörung gesagt, dass Kuttner in seiner Funktion Zahlungen an Privatdetektive für Abhöraufgaben angeordnet haben könnte. Auch Brooks war vorübergehend festgenommen worden und musste als Chefin von News International zurücktreten.

Murdoch ließ 200.000 Mails löschen

Die weiteren Ermittlungen werden jedoch erschwert, weil die Beamten nicht auf die kompletten E-Mail-Archive der beschuldigten Zeitungsgruppe News International zugreifen können. Die Firma von Medienunternehmer Rupert Murdoch habe seit April 2010 mehr als 200.000 elektronische Nachrichten löschen lassen, sagte ein beteiligtes IT-Unternehmen dem ermittelnden Parlamentsausschuss.

Das sei jedoch kein ungewöhnlicher Vorgang. Bei dem gelöschten Datenmaterial soll es sich um sehr alte Nachrichten gehandelt haben. Zudem seien nicht zustellbare Mails aus den Archiven sowie doppelt vorhandene betroffen.

News International war wegen abgehörter Telefone und bestochener Polizisten unter heftigen Druck geraten. Die Ermittler wollen durch die Auswertung von internen E-Mails erfahren, wer in der Zeitungsgruppe von den Abhörpraktiken wusste. Auch ein Parlamentsausschuss untersucht die Vorgänge. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht die inzwischen eingestellte Boulevardzeitung News of the World.

Haftstrafe wegen Schaum-Attacke auf Murdoch

Die "Schaumschläger"-Attacke hat indes juristische Nachwirkungen: Der Mann, der Murdoch bei einer Anhörung vor Parlamentariern mit Rasierschaum beworfen hat, muss hinter Gitter. Ein Gericht in London verurteilte ihn wegen Störung der öffentlichen Ordnung zu sechs Wochen Gefängnis – mindestens drei davon muss er absitzen.

Der Angreifer, der in Großbritannien als Comedian unter seinem Künstlernamen Jonnie Marbles bekannt ist, hatte sich bereits in der vergangenen Woche schuldig bekannt. Es sei der "demütigste Tag meines Lebens" hatte er gesagt und damit exakt die Worte wiederholt, die Murdoch bei seiner Anhörung am 19. Juli gewählt hatte.

Der 26-Jährige war während einer Anhörung vor dem Parlamentsausschuss für Kultur und Medien auf Murdoch losgestürmt und hatte einen Pappteller mit Rasierschaum auf ihn geschleudert. Daraufhin hatte sich Murdochs Ehefrau Wendi auf den Angreifer gestürzt. Prompt wurde die 42-Jährige zum Star im Internet.