Im Zusammenhang mit der Blase am amerikanischen Immobilienmarkt bereitet offenbar eine US-Aufsichtsbehörde Klagen auf Schadenersatz gegen ein Dutzend internationaler Banken vor, darunter gegen die Deutsche Bank. Die Geldinstitute sollen den Wert von Immobilienkrediten falsch dargestellt haben, berichtet die New York Timesunter Berufung auf drei Personen, die mit der Sache vertraut seien. Zu den betroffenen Instituten gehören laut dem Bericht auch die Bank of America, JPMorgan Chase und Goldman Sachs.

In den Jahren vor der Finanzkrise bündelten internationale Großbanken Hauskredite zu Anlageprodukten zusammen und verkauften diese als Hypothekenanleihen (Mortgage Backed Securities) an Investoren. Zu den Käufern gehörten unter vielen anderen Investoren die beiden US-Baufinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac, die dem Zeitungsbericht zufolge bei der Klage von der Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) vertreten werden. Fannie und Freddie sollen bei Immobiliengeschäften mehr als 30 Milliarden Dollar verloren haben. Dafür aufgekommen ist der amerikanische Steuerzahler, denn die beiden Baufinanzierer wurden praktisch verstaatlicht. 

Für diese Kosten belangt werden sollen nun die Großbanken, weil sie den Wert der Immobilienkredite ihren Investoren falsch übermittelt haben sollen. Viele Hauseigentümer seien schon bei der Vergabe der Kredite von ihrer Einkommenslage her nicht dazu imstande gewesen, das geliehene Geld zurück zu zahlen. Als folglich Tausende Schuldner ihre Ratenzahlungen einstellten, verloren die Hypothekenanleihen massiv an Wert, denn die Hauskredite lagen diesen Papieren als Sicherheit zugrunde.

Banken führen Verluste auf Krise zurück

Laut New York Times will die Aufsichtsbehörde FHFA die Großbanken nicht zu einem Rückkauf der Hypothekenanleihen zwingen, sondern Entschädigungszahlungen an Fannie Mae und Freddie Mac durchsetzen. Die betroffenen Institute reagierten zunächst nicht auf Anfragen der Zeitung. Die Banken sagen aber seit Beginn der Finanzkrise, dass die Verluste der Baufinanzierer auf die allgemeine Wirtschaftskrise zurückzuführen seien. Außerdem seien die beiden Institute ausreichend erfahren gewesen, um alle Risiken einschätzen zu können.

Auch die HSH Nordbank versucht mit einer Klage gegen die US-Großbank JPMorgan einen kleinen Teil ihrer Verluste aus der Finanzkrise wieder hereinzuholen. Die Hamburger Landesbank hatte der Klage zufolge Hypothekenanleihen für 159 Millionen Dollar von JPMorgan gekauft und will nun mindestens 42 Millionen Dollar Schadenersatz dafür haben. Dies geht aus Dokumenten hervor, die am Donnerstag bei Gericht im Bundesstaat New York eingereicht wurden. Die HSH wirft JPMorgan vor, die Angebotsunterlagen seien irreführend in Bezug auf die Sicherheiten und die Qualität der zugrunde liegenden Kredite gewesen.

Nach einem Untersuchungsbericht zum Verhalten von Banken auf dem US-Immobilienmarkt häufen sich die Klagen von Investoren. Wie die HSH Nordbank versuchen sie mit den Klagen eine Verjährung der Fälle zu verhindern.

Der Bericht über die Klage, von der womöglich auch die Deutsche Bank betroffen ist, drückte erheblich auf den Wert der Aktie des Unternehmens zum Handelsstart an der Börse in Frankfurt. Der Kurs sank gegenüber dem Vortag um mehr als 4,5 Prozent.