Der hoch verschuldete schwedische Autobauer Saab hat Gläubigerschutz beantragt. Angesichts der "begrenzten finanziellen Ressourcen" sei eine "freiwillige Rekonstruktion" die beste Lösung, teilte das in Trollhättan nördlich von Göteborg ansässige Unternehmen mit. Ein entsprechender Antrag sei beim zuständigen Gericht eingereicht worden.

Ein Zwangsverwalter soll nun das endgültige Aus abwenden. Damit tritt zugleich ein staatliches Garantiesystem für Löhne und Gehälter in Kraft – denn Saab konnte die vorige Woche fälligen Löhne und Gehälter für August bisher nicht auszahlen. Damit drohte ein Insolvenzantrag von Gewerkschaften, dem das Unternehmen nun zuvorkam.

Saab steckt seit Monaten in großen Schwierigkeiten. Seit April sind im Stammwerk Trollhättan wegen Geldmangels so gut wie keine Autos mehr produziert worden – die Zulieferer schicken keine Teile mehr, weil Saab offene Rechnungen nicht bezahlt. Das Unternehmen mit 3.700 Beschäftigten hat im ersten Halbjahr 2011 einen Vorsteuerverlust von 201,5 Millionen Euro erlitten und nur 13.000 Autos verkauft.

Wie die niederländische Saab-Muttergesellschaft Swedish Automobile in Amsterdam mitteilte, wird der Autohersteller nun mit einem vom Gericht bestimmten Verwalter an einem Sanierungsplan arbeiten. Innerhalb der nächsten drei Wochen soll der Plan den Gläubigern vorgelegt werden. Man sei zuversichtlich, deren Unterstützung zu erhalten, hieß es.

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ist da skeptischer: Saab habe keine Zukunft mehr und werde nun abgewickelt, sagte der Professor der Uni Duisburg-Essen. Saab spiele in einer Liga mit den großen Oberklasse-Herstellern BMW, Audi, Daimler und auch Volvo. Diese hätten aber weitaus größere Stückzahlen, daher sei das Geschäft bei Saab "wirtschaftlich nicht darstellbar". Der jetzige niederländische Eigentümer habe sich "maßlos überschätzt".

Bereits 2009 hatte Saab Gläubigerschutz beantragt – damals als zum Verkauf stehende Tochter des US-Konzerns General Motors. Über Monate hinweg wurde Saab von einem vom Gericht eingesetzten Zwangsverwalter geführt. 2010 übernahm Swedish Automobile, dann noch unter dem Namen Spyker Cars firmierend, den schwedischen Autobauer. Saab macht schon seit Jahren Verlust. Doch Swedish Automobile gelang es trotz der Finanzhilfe neu gewonnener chinesischer Partner nicht, eine Wende einzuleiten.