Der Axel Springer Verlag interessiert sich für einen Kauf von Teilen der WAZ-Gruppe. Springer-Chef Mathias Döpfner habe den Inhabern des Zeitungskonzerns vor wenigen Tagen eine schriftliche Übernahmeofferte unterbreitet, berichtete das Manager Magazin.

Eine Sprecherin des Springer-Verlags bestätigte den Bericht. Die Offerte sei aber ein unverbindliches Angebot. Sie stehe unter dem Vorbehalt der Untersuchung durch das Kartellamt und einer wirtschaftlichen Prüfung des Unternehmens.

WAZ-Großaktionärin Petra Grotkamp, die kürzlich ein eigenes Angebot zur Mehrheitsübernahme der Gruppe vorgelegt hatte, lehnte das Angebot zunächst ab. Die von Springer anvisierten WAZ-Geschäftsbereiche stünden nicht zur Disposition, teilte sie über ihren Anwalt mit. Zudem könne Springer gemäß der restriktiven Gesellschafterverträge "auch nicht Gesellschafter der WAZ-Mediengruppe werden".

Grotkamp ist Tochter des WAZ-Mitbegründers Jakob Funke und Ehefrau des langjährigen Verlagschefs Günther Grotkamp. Sie hält derzeit 16,67 Prozent an der WAZ. Eine Zerschlagung oder einen Verkauf des Traditionsunternehmens (Westdeutsche Allgemeine, Neue Rhein/Neue Ruhr-Zeitung, Westfälische Rundschau) werde es mit ihr nicht geben, kündigte Grotkamp an.

Auch die gesamte Funke-Gruppe ließ mitteilen, sie sei derzeit an einem Verkauf von Geschäftsanteilen der WAZ-Gruppe nicht interessiert. "Daher ergeben sich keine Verhandlungsmöglichkeiten mit der Axel Springer AG", erläuterte Sprecher Klaus Schubries.

Entscheidung liegt beim Testamentsvollstrecker

Springer habe vor allem Interesse an bestimmten Teilen der WAZ, doch ein Gebot für die gesamte WAZ-Gruppe "würden wir heute nicht prinzipiell ausschließen wollen", zitierte das Manager Magazin aus der Offerte Döpfners. Allerdings gebe es "große kartellrechtliche Hürden". Nach Döpfners Einschätzung würde die gesamte WAZ-Mediengruppe 1,4 Milliarden Euro kosten.

Die WAZ-Gruppe ist mit einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro einer der größten Regionalzeitungsverlage Europas. Zu jeweils 50 Prozent gehört die WAZ den Nachkommen seiner Gründer: den drei Töchtern von Jakob Funke und den drei Enkelkindern von Erich Brost.

Das Übernahmeangebot von Funke-Tochter Grotkamp lag laut Manager Magazin bei rund 470 Millionen Euro. Dem Zeitschriftenbericht zufolge liegt es nun an Testamentsvollstrecker Peter Heinemann, abzuwägen, welches Angebot attraktiver ist. Neben kartellrechtlichen Bedenken könnten auch die strengen Gesellschafterverträge der WAZ ein nicht unbeträchtliches Hindernis für einen Springer-Deal darstellen.

Die WAZ äußerte sich am Freitag nicht zu dem Springer-Schreiben. Sie zitierte lediglich Brosts Testamentsvollstrecker Peter Heinemann in Anlehnung an einen Bibelspruch: "Prüfet alles und behaltet das Beste." Das Bundeskartellamt teilte mit, ihm läge keine Anmeldung der angeblichen Pläne von Springer vor.

Vor wenigen Jahren wollte Springer einen anderen großen deutschen Medienkonzern übernehmen: 2005 hatte der Verlag angekündigt, die TV-Sendergruppe ProSiebenSat.1 kaufen zu wollen. Die Übernahme scheiterte aber am Widerstand des Kartellamtes und der Medienkommission KEK.