Noch im Sommer war Lloyd Blankfein höchstpersönlich in den Flieger Richtung Chicago gestiegen, um für seine Firma zu werben. Dort, am anderen Ende des Verhandlungstisches, saßen Andrew Mason und Jason Child, Gründer und Finanzvorstand des Schnäppchendienstes Groupon. Blankfein, der Chef von Goldman Sachs, einer der mächtigsten Investment-Banken der Welt, versuchte die beiden Firmenchefs davon zu überzeugen, sein Unternehmen als Konsortialbank für den anstehenden Börsengang zu wählen.

Die Chefs der anderen großen Institute taten es Blankfein gleich. Schließlich galt der Börsengang von Groupon als einer der heißesten des Jahres. Analysten überboten sich mit Superlativen, der Börsenwert wurde auf 30 Milliarden Dollar geschätzt.

Als die Papiere an diesem Freitagmorgen zum ersten Mal an der US-Technologiebörse Nasdaq gehandelt wurden, lag der Ausgabepreis bei 20 Dollar, die Börsenbewertung war damit auf knapp 13 Milliarden Dollar zusammengeschrumpft – viele halten auch das noch für viel zu hoch. "Es ist ein schlechter Deal für jeden, der sich darauf einlässt", sagte etwa die Portfolio-Managerin Joan Lappin im Fernsehsender CNBC.

Gutscheine sind in

Doch die Werbetour, bei der die Groupon-Gründer zwei Wochen lang durchs Land reisten und die Aktien anpriesen, zeigte Wirkung: In den Minuten nach dem Startschuss ging der Kurs deutlich nach oben. 30 Prozent, 35, 41. Rund 700 Millionen Dollar kamen für das Unternehmen zusammen. Es war der größte Technologie-Börsengang seit Google. Groupon, so scheint es, ist noch immer sexy.

Der 30-jährige Andrew Mason hat mit seiner Firma das verstaubte Gutscheinbuch hip gemacht. Jeden Tag verschicken die Mitarbeiter Angebote für kräftige Rabatte per E-Mail an ihre Abonnenten. Schlagen genug Leute innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu, kommt der Deal zustande. Ein italienisches Abendessen für zwei – 61 Prozent billiger. Eine Haarentfernung – 86 Prozent. Ein Spa-Besuch mit Massage – 75 Prozent.

Mit dem verblüffend einfachen Prinzip hatte Groupon, dessen Name sich aus Coupon und Group zusammensetzt, eine Lücke entdeckt. Die Wachstumsraten waren schwindelerregend, noch Anfang des Jahres galt Groupon als das "am schnellsten wachsende Unternehmen in der amerikanischen Geschichte". Schon bald waren nicht mehr nur die Läden um die Ecke, sondern auch große Retail-Ketten wie Gap an Bord.