Europas zweitgrößter Reiseveranstalter Thomas Cook rutscht zur Wintersaison tiefer in die Krise. Nachdem bekanntgegeben wurde, dass das Unternehmen Gespräche mit Banken über höhere Kredite aufgenommen hat, brachen die Aktien um mehr als die Hälfte ein. Mit einem Kurs von 13,50 Pence ist Cook an der Börse inzwischen weniger als 100 Millionen Pfund (116 Mio. Euro) wert. In Deutschland ist Thomas Cook mit Marken wie Neckermann, Air Marin, Bucher und Öger Tours vertreten.

Der Reisekonzern hatte zuvor erklärt, dass die Geschäfte in einigen Bereichen zurückgegangen seien und es Probleme mit Bargeldreserven gebe. Es gehe nicht darum, dass man die bestehenden Kredite nicht zurückzahlen könne. Die für diesen Donnerstag angesetzte Veröffentlichung von vorläufigen Jahresergebnissen wurde verschoben. Erst im Oktober hatte der Konzern 100 Millionen Pfund kurzfristige Darlehen erhalten.

"In den vergangenen Monaten ist das Geschäft schlechter gelaufen, als wir vorausgesagt hatten", sagte der Übergangs-Chef der Thomas Cook Group, Sam Weihagen. Auch bei den Schätzungen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2011/12 habe der Konzern nicht das erreicht, was man erwartet habe. Deshalb sollten die vorläufigen Jahresergebnisse 2010/11 erst dann präsentiert werden, wenn Thomas Cook Rücklagen vorlegen könne. "Wir sind zuversichtlich, dass wir von unseren Kreditgebern Unterstützung bekommen." Finanzdirektor Paul Hollingworht bezifferte den Bedarf des Unternehmens auf rund 100 Millionen Pfund.

Euro-Krise und Nordafrika

Grund für die schlechten Geschäfte sei vor allem die Euro-Krise und das derzeitige Klima in Europa. "Das regt nicht gerade die Nachfrage nach Urlaub an", erklärte Weihagen. Zudem mache die Lage in Nordafrika dem Tourismus weiter zu schaffen. Vor allem in Frankreich sei der Markt eingebrochen. Probleme habe man außerdem in Russland. Wegen der Überschwemmungen in Thailand ging zudem die Nachfrage für Reisen nach Bangkok zurück.

Thomas Cook hatte bereits die Dividende streichen und mit seinen Banken Kreditkonditionen neu verhandeln müssen. Wegen der Krise musste im August Vorstandschef Manny Fontenla-Novoa seinen Hut nehmen. Man sei auf der Suche nach einem Vorstand, so lange werde er aber weiter übergangsweise die Geschäfte führen, sagte Weihagen.

Medienberichte, denen zufolge Thomas Cook in Großbritannien rund 200 Reisebüros schließen und sechs Flugzeuge stilllegen will, wollte Weihagen nicht kommentieren. Um eine mögliche feindliche Übernahme mache man sich derzeit auch keine Gedanken. "Aber wir sind eine Aktiengesellschaft. Alles ist möglich."