Er ist einer der größten Konzerne Portugals, den E.on im Blick hat: EDPs Börsenwert liegt bei geschätzten 8,5 Milliarden Euro, mehr als 12.000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen weltweit. Mit 21 Prozent will sich E.on-Chef Johannes Theyssen laut einem Bericht des Spiegels an ihm beteiligen. EDP würde perfekt in E.ons neue Welt passen: verstärktes Engagement im Ausland, mehr erneuerbare Energien.

EDP ist gerade bei Wind- und Wasserkraft gut aufgestellt. In Brasilien betreibt der Konzern zahlreiche Wasserkraftwerke. Zwar hat das Unternehmen auch Kohle- und Atomstrom im Angebot. Wind und Wasser aber machen einen Großteil des Geschäfts aus. Auch Kanzlerin Angela Merkel verfolgt den Einstieg von E.on in den Bieterstreit um die 21 Prozent mit Wohlwollen. Immerhin würde die E.on-Beteiligung der Regierung in Lissabon bei der Bewältigung der Schuldenkrise helfen.

Zugleich gibt es aber auch unangenehme Meldungen aus der Welt des größten deutschen Energieversorgers. Wie die Rheinische Post berichtet, wird der geplante Stellenabbau bei E.on konkreter. In Deutschland wolle der Energiekonzern rund 6.000 Arbeitsplätze der insgesamt 80.000 Stellen weltweit streichen. Zudem musste E.on am Montagabend bekannt geben, dass das Unternehmen drei Milliarden Euro abschreiben müsse. Man überlege gar, "aufgrund der aktuellen angespannten Marktsituation" einzelne Kraftwerke stillzulegen, teilte der Konzern mit.

Bei E.on toppt die Ökostromsparte die Einnahmen aus Kohle- und Atomkraft

Die beiden Meldungen zeigen, unter welchem Druck gerade E.on, aber auch die anderen Energiekonzerne RWE, Vattenfall und EnBW stehen. Sie bauen radikal Arbeitsplätze ab, verkaufen Unternehmensbeteiligungen und strukturieren um. Als Wachstumsmaschinen gelten ihre Ökostromsparten. Die Hochzeiten der Kohle- und Atomkraft sind dagegen vorbei. Wenig ist noch sicher in Zeiten der Energiewende.

Bestes Beispiel ist E.on. Zum Ende des dritten Quartals verzeichnete die Ökostromtochter Climate & Renewables einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 1,1 Milliarden Euro. Damit toppt sie sogar die Atom-und Kohlesparte. Die neuen Kräfteverhältnisse sind eine direkte Folge des Atomausstiegs und der Kernbrennstoffsteuer: Mit rund 2,3 Milliarden Euro belasten diese das Ergebnis. Dazu kommt die dreistelligen Millionenverluste der Gastochter E.on Ruhrgas.

Konzernchef Theyssen hat darauf reagiert. Rund 3,8 Gigawatt Ökostrom-Kapazitäten betreibt E.on inzwischen. Das entspricht theoretisch fast der Leistung von vier Atomkraftwerken. In den vergangenen vier Jahren hat E.on rund sieben Milliarden Euro in erneuerbare Alternativen gesteckt. In den kommenden fünf Jahren will das Unternehmen noch einmal die gleiche Summe für die Energiewende in die Hand nehmen.

Analysten befürworten zudem die Pläne des Konzerns, in Portugal einzusteigen. "Das ist der richtige Schritt, um sich internationaler aufzustellen und das Geschäftsfeld Erneuerbare auszubauen", sagt Joseph Auer, Energieexperte der Deutschen Bank Research. Den Einwand, dass der Schwenk des Energieunternehmens reichlich spät komme, lässt er nicht gelten. "Die großen Versorger warten lieber ab, bis Technologien marktreif sind. Forschung und Entwicklung und der Aufbau neuer Technologien sind eher nicht ihre Stärken."