Verzögerungen bei den Gesprächen über Aufträge aus Spanien und den USA haben die Erlanger Firma Solar Millennium in Existenznot gebracht. Die Unternehmensleitung teilte mit, sie habe Antrag auf Gläubigerschutz beim Amtsgericht Fürth gestellt.

Bei beiden angestrebten Transaktionen seien die Verhandlungen schon weit fortgeschritten gewesen, hätten bislang aber nicht abgeschlossen werden können. Wesentliche Verträge für das US-Geschäft wurden demnach bereits unterzeichnet, allerdings seien "einzelne Bedingungen für die Wirksamkeit der Verträge bislang nicht eingetreten", hieß es in der Mitteilung zur Insolvenz.

Aufgrund der Nachricht stürzte die Aktie um mehr als 60 Prozent ab.

Von den angestrebten Geschäften hatte sich Solar Millennium Liquidität für weitere Projekte erhofft. Nun aber seien "Höhe und Zeitpunkt der Zahlungsflüsse" unklar. Deshalb sei das Unternehmen gezwungen, Gläubigerschutz zu beantragen.

Erst vor einer Woche hatte das Berliner Solarunternehmen Solon Insolvenz angemeldet. Gespräche über eine finanzielle Restrukturierung waren zuvor gescheitert. Die Fälle der beiden Unternehmen sind allerdings nicht vergleichbar, da sie vollkommen unterschiedliche Techniken vertreiben. Solon produzierte sogenannte Fotovoltaik-Systeme, bei denen aus dem Sonnenlicht über Solarzellen Strom gewonnen wird. Diese Technik kommt in Deutschland stark zum Einsatz und wird vom Staat gefördert.

Solar Millennium hingegen produzierte Technik für sogenannte solarthermische Kraftwerke: Dabei wird durch Sonneneinstrahlung Wärme gewonnen, mit deren Hilfe wiederum Strom erzeugt wird. Diese Technologie eignet sich insbesondere für sonnenreiche Länder – in Deutschland gibt es deshalb keine solchen Kraftwerke. Entsprechende Anlagen stehen aber etwa in Spanien. Zudem soll die Technik beim geplanten Wüstenstrom-Projekt Desertec zum Einsatz kommen. Dabei sollen Sonnen-Kraftwerke in Nordafrika Strom erzeugen, der dann teilweise nach Europa exportiert wird.

Nach der Pleite von Solon hatte die Diskussion um die Zukunft der Förderung von Sonnenstrom in Deutschland an Schärfe gewonnen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will die Förderung drastisch kürzen; Kritiker machten die aus der Debatte entstehende Unsicherheit für die derzeitige Krise in der Solarbranche mitverantwortlich. Solar Millennium hingegen wäre von einer Förderkürzung in Deutschland gar nicht betroffen, weil die Aufträge aus dem Ausland kommen.

Solar Millennium hatte in Vergangenheit auch durch eine Personalie für Aufsehen gesorgt. Das Unternehmen heuerte den früheren Chef des Energiekonzerns EnBW, Utz Claassen, als Vorstandsvorsitzenden an. Dieser trat das Amt am 1. Januar 2010 an – und verließ das Unternehmen nach weniger als drei Monaten wieder. Claassen begründete damals, das Unternehmen habe ihn bei den Vertragsverhandlungen "bewusst irregeführt". Seitdem streiten Claassen und das Unternehmen um womöglich fällige Zahlungen an den Manager oder eine Rückzahlung bereits geflossenen Geldes.