Die Reederei Costa Crociere , der das Unfall-Schiff Costa Concordia gehört, muss mit massiven Umsatzeinbußen rechnen. Die Aktien des Mutterkonzerns Carnival brachen an der Londoner Börse mit zweistelligen Prozentsätzen ein. Wegen der Havarie rechnet der US-Kreuzfahrtspezialist und Weltmarktführer allein in diesem Jahr mit einem Umsatzausfall von 85 bis 95 Millionen Dollar. 

Auch andere Reise- und Freizeitunternehmen verzeichneten Einbußen an der Börse. Dennoch sieht die Welttourismusorganisation (UNWTO) kaum negative Folgen des Unglücks für die Branche. Dieser Tourismuszweig habe in letzter Zeit hohe Zuwachsraten erzielt, sagte UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai. Daran werde sich infolge des Unglücks wenig ändern.

Auch der Deutsche Reiseverband (DRV) erwartete keine besonderen negativen Folgen . Das Schiff gehöre weiterhin zu den sichersten Verkehrsmitteln. Es sei allgemein jedoch noch viel zu früh, um etwas über die Folgen des tragischen Unglücks zu sagen, hieß es.

Aus den Reedereien ist deshalb zu den erwarteten Folgen des Unfalls kaum etwas zu erfahren. Es gebe vereinzelte Anrufe besorgter Gäste, die demnächst mit einem Schiff in die Ferien fahren wollen. Absagen im großen Stil oder ein Ende des Kreuzfahrtbooms will aber niemand heraufbeschwören. Prognosen zum Geschäftsverlauf seien schwierig. Der größte deutsche Veranstalter, Aida Cruises in Rostock , will sich gar nicht äußern.

Seit Jahren ist die Kreuzfahrtbranche der große Boomsektor im Tourismus. Bis 2015 rechnet die Branche mit jährlichen Zuwachsraten bei Gästen von elf Prozent. Deutschland gilt dabei als besonders wachstumsträchtiger Markt. Bisher haben in Deutschland nur 1,5 Prozent der Bundesbürger eine Seereise gebucht, in Großbritannien sind es drei und in den USA sogar fünf Prozent der Bevölkerung.