Selten war der Niedergang eines Unternehmens so berechtigt und absehbar wie im Falle Schlecker. Jeden, den es mal in eine der zahllosen Filialen mit dem Charme vollgestellter Wartehallen verschlagen hat, war klar, dass dieses Unternehmen etwas ganz grundsätzlich falsch macht. Eigentlich gab es nur einen Grund, zu Schlecker zu gehen: Weil es gerade zufällig auf dem Weg lag.

Ein Einzelhändler aber, dessen einziger Trumpf es ist, in jedem Dorf und an jeder zweiten Straßenecke eine Filiale zu haben, hat ein Problem. Schlecker hat viel zu lange auf Masse ohne Klasse gesetzt.

Dabei sind nicht das veraltete Ladenkonzept und das schlechte Image die eigentliche Ursachen des Niedergangs, sondern nur Symptome eines viel simpleren Problems: schlechtes Management. Gründer und Firmenpatriarch Anton Schlecker hat sein simples Konzept einfach jahrzehntelang weiter ausgebreitet, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, dass sich die Bedürfnisse der Kunden längst verändert hatten.

Kleine Gewinnmargen, Druck auf die Löhne

Hinzu kommt: Das Schlecker-Konzept war von Anfang an betriebswirtschaftlich höchst labil: Kleine Filialen haben natürlicherweise kleinere Gewinnmargen und lohnen sich nur bei Lohnkosten an der Untergrenze des Legalen. Als Schlecker nach dem Skandal um Dumpinglöhne – ehrenwerterweise – an dieser Lohnschraube drehte und seinen Mitarbeitern bessere Arbeitsbedingungen genehmigte, schlug sich das in den sowieso schon sehr eng berechneten betriebswirtschaftlichen Kalkulationen nieder.

Zuletzt versuchte sich das Unternehmen an einem Neustart, die Kinder des Gründers übernahmen das Ruder und holten sich, endlich, externe professionelle Hilfe ins Haus. Doch so richtig trauten sie sich die Kehrtwende anscheinend doch nicht zu: Für das neue Ladenkonzept (freundlicheres Ambiente, durchdachteres Sortiment) gab es zwar viel Lob auch von Branchenkennern, aber was nützt der schönste Plan, wenn das Geld oder der Wille fehlt, um es auch wirklich wirksam umzusetzen? Lediglich 350 von etwa 7.000 Filialen wurden bisher aufgehübscht.

Dass die Familie trotz des wiederholten Drängens ihrer Berater viel zu zögerlich und zu spät nach Geldgebern für diesen dringend nötigen Neuanfang gesucht hat, passt ins Bild. So ist der Untergang Schleckers am Ende auch ein warnendes Beispiel dafür, wie ein Familienunternehmen an sich selbst scheitern kann.