In der Ankündigung, die Apple in der Nacht auf Montag verschickte, ging es ausnahmsweise nicht um ein neues Produkt. Doch die Aufmerksamkeit war im Vorfeld der kurzfristig angesetzten Pressekonferenz ähnlich groß. Apple-Chef Tim Cook wollte die lang erwartete Antwort auf die Frage liefern, was mit den riesigen Geldreserven geschehen soll .

Fast 100 Milliarden Dollar hat der Konzern in den vergangenen Jahren dank zahlreicher Bestseller wie dem iPad oder iPhone angehäuft. Das Geld könnte zur Belastung werden. Analysten und Investoren drängen darauf, den Geldberg abzubauen. Sie hatten im Vorfeld der Konferenz zahlreiche Ideen, wie das geschehen soll. Über ein eigenes Mobilfunknetz wurde ebenso spekuliert wie über die Verlagerung der Produktion in die Heimat. Sogar eine Apple-eigene Bank stand zur Debatte.

Die Lösung war schließlich viel banaler: Ab Juli will der Technologiekonzern seinen Anlegern eine Dividende zahlen . Es ist das erste Mal seit 1995. "Wir hatten Geld übrig und dachten, es sei richtig, es mit unseren Anlegern zu teilen", sagte der Apple-Chef in der Konferenz am Montag. Der Konzern öffnet seine Aktie damit auch neuen Investoren wie Fonds, die ausschließlich Papiere mit Dividende in ihr Portfolio aufnehmen dürfen. Zudem startet Apple im September ein groß angelegtes Rückkaufprogramm in Höhe von zehn Milliarden Dollar. Insgesamt sollen die Geldreserven auf diese Weise um rund 45 Milliarden Dollar schrumpfen.

Ausschüttung löst die Probleme nicht

Viele sind von den Plänen enttäuscht. Denn wirklich für Abhilfe sorgen sie nicht. Laut Schätzungen wird Apple allein in den kommenden vier Quartalen zwischen 75 und 80 Milliarden Dollar an frischem Kapital sammeln und die Kriegskasse damit weiter füllen.

Branchenbeobachter drängen deshalb auf größere Übernahmen, um die Cash-Reserven zu nutzen und die zweistelligen Wachstumsraten der Vergangenheit auch weiterhin zu sichern. Der Videodienst Netflix gilt vielen ebenso als Übernahmekandidat wie der angeschlagene Smartphone-Hersteller Research in Motion oder der Kurznachrichtendienst Twitter. Selbst T-Mobile könnte sich als Kaufobjekt eignen.

Apple steckt allerdings in einem Dilemma. "Die Produktlinie ist eng aufeinander abgestimmt, jeder Schritt genau kalkuliert", erklärt der IT-Experte Kevin Dede von der Beratungsfirma Brigantine Advisors in Kalifornien . Die Übernahme eines großen Technologiekonzerns würde das Portfolio verwässern und dem Unternehmen langfristig "große Kopfschmerzen bereiten". Die zwischenzeitlich spekulierten Zukäufe des strauchelnden Internetpioniers Yahoo ! oder des japanischen Elektronikriesen Sony könne Apple zwar finanzieren – doch sie würden die behutsam aufgebaute Unternehmenskultur zerstören.

Wie schmerzhaft Übernahmen sein können, musste vor wenigen Jahren der Computerhersteller Hewlett-Packard erfahren. 2002 hatte sich das Unternehmen mit dem Konkurrenten Compaq zusammen getan. Doch die milliardenschwere Übernahme zahlte sich nicht aus , das Profil der Computerriesen verschwand bis zur Unkenntlichkeit. Vor zwei Jahren schließlich entschied die Konzernspitze von HP, die Marke Compaq auslaufen zu lassen.