Die Deutsche Börse AG will gegen die Entscheidung der Europäischen Kommission klagen, die geplante Fusion mit der New Yorker NYSE Euronext zu untersagen . Knapp sieben Wochen nach dem Veto der EU-Kommission beschloss der Aufsichtsrat des Frankfurter Dax-Konzerns, juristische Schritte einzuleiten und eine Klage beim Gericht der Europäischen Union in Luxemburg einzureichen. Die Konzernführung sei der Ansicht, dass mehrere Aspekte der Entscheidung fehlerhaft sind.

Die EU hatte den Zusammenschluss von Deutscher Börse und NYSE zur weltgrößten Börse am 1. Februar untersagt. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia hatte die Entscheidung damit begründet, dass durch die Fusion ein Monopol im Börsenhandel mit europäischen Finanzderivaten entstanden wäre. Zusammen kontrollieren die Unternehmen mit ihren Töchtern Eurex und Liffe mehr als 90 Prozent des weltweiten Börsenhandels mit europäischen Derivaten.

Gescheiterte Fusion verursacht Schaden in Millionenhöhe

"Wenn man ein solches Monopol zulässt, das zu höheren Preisen und weniger Innovation führt, dann ist das nicht im europäischen Interesse", hatte Almunia damals erklärt. "Am Ende hatten wir keine andere Alternative, als die Fusion zu verbieten." Allerdings war die Entscheidung in der EU-Kommission umstritten.

Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni hatte der EU-Kommission eine "realitätsfremd verengte Marktdefinition" vorgeworfen. Die Prüfung einer Klage begründete er seinerzeit auch mit möglichen Schadenersatzforderungen. Etwa 80 Millionen Euro investierte die Deutsche Börse nach Francionis Angaben 2011 in das Fusionsprojekt. Analysten erwarten für das erste Quartal 2012 nochmals Kosten in zweistelliger Millionenhöhe.

Verfahren vor dem EuGH dauern in der Regel rund zwei Jahre. Somit dürfte das Thema auch dem designierten künftigen Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Ex-Allianz-Vorstand Joachim Faber, noch eine Weile erhalten bleiben. Faber soll nach dem Willen des Aufsichtsrates nach der Hauptversammlung am 16. Mai neuer Vorsitzender des Kontrollgremiums werden. Dessen derzeitiger Chef Manfred Gentz tritt aus Altersgründen nach der Hauptversammlung ab. Turnusgemäß werden in diesem Jahr alle 18 Aufsichtsratsmitglieder der Deutschen Börse AG neu gewählt.