Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat gegen den Energiekonzern EnBW wegen umstrittener Geschäfte in Russland Vorermittlungen eingeleitet. Geprüft werde der Verdacht auf Steuerhinterziehung, Untreue und Korruption, bestätigte Staatsanwalt Peter Lintz einen Bericht des Handelsblatt s . Vor Ostern sei nicht mit einer Entscheidung zu rechnen, ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werde. Ein EnBW-Sprecher sagte, man habe keine Kenntnis von den Vorermittlungen und könne deshalb auch nichts dazu sagen.

Hintergrund sind insgesamt 120 Millionen Euro, die EnBW dem russischen Lobbyisten Andrej Bykov zwischen 2005 und 2008 zahlte und nun mit Hilfe von Schiedsgerichtsverfahren zurückfordert. Die vertraglich vereinbarten Leistungen, darunter die Lieferung und Sicherung von Uran, seien nie erbracht worden, argumentiert EnBW in einer Stellungnahme zu dem Fall. Der russische Lobbyist hält dagegen, dass es sich nur um Scheinverträge gehandelt habe. In einer Klage vor dem Landgericht Karlsruhe erläuterte er, es sei um Lobbyarbeit im Zusammenhang mit dem Interesse von EnBW an sibirischen Gasfeldern gegangen. Weil der damalige EnBW-Großaktionär, der französische Atomexporteur EdF, das aber nicht befürwortet hätte, seien die Geschäfte verschleiert worden.

Ins Visier der Ermittlungen könnten hochrangige Entscheidungsträger und Vorstände geraten. Utz Claassen , EnBW-Vorstandschef von 2003 bis 2007, ließ dem Handelsblatt über einen Anwalt mitteilen: "Herr Prof. Dr. Claassen legt jedoch Wert auf die zweifelsfrei beweisbare Feststellung, dass die in Ihrer E-Mail vom heutigen Tage behauptete Geschäftsbeziehung jedenfalls nicht während seiner Amtszeit als Vorstandsvorsitzender der EnBW Energie Baden-Württemberg AG eingegangen wurde und dass er über den Inhalt angeblich in den Jahren 2005 bis 2008 mit Firmen des Herrn Bykov geschlossener Verträge der EnBW keinerlei Kenntnis hatte."