Im Schlecker-Betriebsratsbüro ist die Enttäuschung groß: Kein Anruf, keine E-Mail, kein Fax der Anteilnahme angesichts der Unternehmenspleite, die Tausende Mitarbeiter die Jobs kosten dürfte. "Ich fühle mich sehr alleingelassen", klagte Christel Hoffmann, die Chefin der Mitarbeitervertretung. Sie habe keine Reaktion auf die harten Einschnitte bekommen, die Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Mittwoch verkündet hatte. Lediglich die Lokalpolitik habe sich gemeldet.

Sie habe erwartet, dass sich zum Beispiel Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen ( CDU ) oder jemand aus der baden-württembergischen Landesregierung melde. "Es geht um die Schicksale von Tausenden Bundesbürgerinnen", sagte Hoffmann. Die Nachricht, dass etwa 12.000 Arbeitsplätze wegfallen, habe den Mitarbeitern "den Boden unter den Füßen weggezogen". Als vor drei Jahren der Autokonzern Opel in seiner Existenz bedroht war, sei das ganz anders gewesen. "Da bin ich jetzt mal ganz ketzerisch und sage: Da ging es ja auch um Männer-Arbeitsplätze." Auch bei anderen staatlichen Rettungsmaßnahmen für die Wirtschaft sei es ganz anders zugegangen, sagte sie.

Schlecker will 2.400 der fast 5.400 Filialen schließen . Hoffmann verlangte, dass schnell eine Transfergesellschaft entsteht, in der die nun überzähligen der insgesamt 25.000 Mitarbeiter vorübergehend aufgefangen werden. Den bisherigen Plänen nach will die Kette in Deutschland 12.000 Mitarbeiter abbauen. Unklar ist, was mit den knapp 5.400 Mitarbeitern aus den 670 Filialen der Tochter-Drogeriekette IhrPlatz passiert.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di verlangte ebenfalls ein Eingreifen der Politik. "Das ist ja eine Insolvenz in bisher nicht da gewesener Dimension", sagte ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske . Von dem angekündigten Jobabbau betroffen seien Frauen im untersten Einkommensbereich. Die Politik sei nun gefordert, den Tausenden Betroffenen dabei zu helfen, "sich eine Perspektive zu erhalten". Auch der ver.di-Fachbereichsleiter Handel in Baden-Württemberg , Bernhard Franke, sagte, wegen der "sozialpolitischen Dimension" der Insolvenz müsse der Staat unterstützend eingreifen.

Die Transfergesellschaft sei dringend notwendig zur Qualifikation und Vermittlung der Betroffenen. Die ebenfalls dringliche Investorensuche bedürfe ebenfalls der Unterstützung der Politik.

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sagte, die Stellenstreichungen seien "bitter", aber unvermeidlich. "Kein Unternehmen kann dauerhaft mit Verlusten leben", erläuterte er. Er sei optimistisch, dass Schlecker nach dem Einschnitt eine Zukunft habe.

Einen Weg dahin zeigte ver.di-Fachbereichsleiter Franke auf. Es müsse auch darüber nachgedacht werden, tarifliche Ansprüche der Mitarbeiter in eine Kapitalbeteiligung am Unternehmen umzuwandeln – die Mitarbeiter würden zu Teilhabern. Franke könnte sich eine Genossenschaft vorstellen, die sich bei einer neuen Schlecker-Gesellschaft engagieren könnte.

Auf der Suche nach einem neuen Spitzenmanager ist das Unternehmen offenbar bereits fündig geworden: Kandidat für einen neu zu schaffenden Spitzenposten ist nach Informationen der Lebensmittel Zeitung der ehemalige Rewe-Vorstand Stephan Fanderl. Konkrete Verhandlungen finden bereits statt, berichtet die Fachzeitung.

Der 47-jährige Fanderl ist derzeit für den Schweizer Discounter Denner tätig. Zuvor war er President Emerging Marktes East bei Walmart und von 2006 bis 2007 Vorstand bei der Kölner Rewe-Gruppe.

Ob und in welcher Funktion Fanderl bei Schlecker anheuert, hängt maßgeblich von den Vorstellungen etwaiger Investoren ab. Insolvenzverwalter Geiwitz ist auf der Suche.

Am Dienstag beginnen am Unternehmenssitz in Ehingen bei Ulm die Gespräche zwischen der Gewerkschaft und dem vorläufigen Insolvenzverwalter. Sie wollen den Personalabbau planen.