Wenn Jakob Ruprecht davon berichtet, wie 2008 Manager aus dem baden-württembergischen Ehingen in die Zentrale der Drogeriekette IhrPlatz im niedersächsischen Osnabrück einfielen, dann spürt man noch heute: Es war wie eine Begegnung mit Außerirdischen. "Eine ihrer ersten Amtshandlungen war, gerahmte Fotos von Anton und Christa Schlecker an den Wänden aufzuhängen und auf den Schreibtischen aufzustellen", gräbt Ruprecht in seinen Erinnerungen. Was er meint, sind die berühmt-berüchtigten Porträts, auf denen Anton Schlecker Pagenschnitt trägt und aussieht wie der Bruder von Frankensteins Monster.

Ruprecht war von 2006 bis 2008 Marketing- und PR-Chef bei IhrPlatz. Seinen eigenen Platz dort mussten er und eine Riege von Führungskräften räumen, kurz nachdem die Herren mit den gerahmten Fotos kamen. Drogerie-Champion Schlecker hatte IhrPlatz Silvester 2007 von Finanzinvestoren übernommen. Das Ende ist bekannt: Kurz nach Schlecker ging Ende Januar 2012 auch IhrPlatz in die Knie.

Experten bezweifeln, dass das Unternehmen alleine überleben kann. Dafür ist die Kette mit jetzt 612 Märkten bundesweit, von denen der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider 142 schließen will, nicht groß genug. Rund 900 Mitarbeiter müssen gehen. Doch während sich die öffentliche Aufmerksamkeit derzeit auf die Finanzierung einer Transfergesellschaft für die Schlecker-Beschäftigten richtet, bleibt IhrPlatz unterhalb des Radars. Das war im Grunde schon seit der Übernahme durch Schlecker so.

Eigentlich wollte der frühere Drogerie-Tycoon IhrPlatz zur Premium- und Wellnessmarke in seinem Reich ausbauen. Tatsächlich hat er die Kette auf Schlecker-Niveau heruntergewirtschaftet.

Die Entscheidung, Logistikkosten zu senken, war noch nachvollziehbar. 2010 wurde das Ihr-Platz-Lager in Osnabrück geschlossen. Schlecker übernahm die Warenverteilung.

Blüte im Logo

Fatal aber war Schleckers Umgang mit der Marke. Die Werbung für die Ihr-Platz-Filialen und die neu konzeptionierten großzügigeren Schlecker-XL-Märkte ähnelten sich bald bis hin zur Gestik der Models auf den Werbefotos. Und Online-Shopper werden noch heute von der Ihr-Platz- zur Schlecker-Homepage weitergeleitet. Die Kunden verlieren die Orientierung.

Größter Fehler Schleckers: Statt IhrPlatz konsequent oberhalb des wegen seiner Personalpolitik miesen Schlecker-Images zu positionieren, brachte er seine Eigenmarke AS – A für Anton, S für Schlecker – in die Ihr-Platz-Regale. "Wir stellen die Ihr-Platz-Eigenmarken um", teilte das Unternehmen freudig mit, "in vielen Sortimenten finden Sie bereits die Schlecker-Qualitätsmarken auch bei IhrPlatz." 

AS-Produkte standen aber nicht für Qualität. "Was Schlecker machte, passte nicht zur verkündeten Zweimarkenstrategie", sagt Marketingmann Ruprecht: "Die Billigmarke wurde hochwertig platziert und damit die Premiummarke abgewertet."

Ähnlich sieht das Thomas Roeb, Handelsexperte der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg: "IhrPlatz wurde in kürzester Zeit auf das Niveau von Schlecker gebracht." Ein Fehler sei es gewesen, "die Kompetenzen des Ihr-Platz-Managements bei der Sortimentsgestaltung zu beschneiden".