Dabei ging unter, dass es gar nicht um die Subvention eines maroden Unternehmens ging, sondern lediglich um einen Überbrückungskredit, der die Chancen der Beschäftigten, also der Opfer dieser Pleite, verbessert hätte. Immer wieder wurde auch das Argument bemüht, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt im Moment sehr gut sei. Das mache gesonderte staatliche Fürsorge überflüssig.

Diese Fehleinschätzung nährte selbst die Bundesagentur für Arbeit (BA). Sie mischte auf ihre Weise im Streit um die Finanzierung der Transfergesellschaft mit. "Derzeit gibt es bundesweit 125.000 offene Stellen für Verkäuferinnen", wurde BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker noch am Donnerstagmorgen in Agenturen zitiert, also ausgerechnet zu jener Zeit, in der Landeswirtschaftsminister Nils Schmid bei seinen Länderkollegen noch um die Zustimmung zu einer Bürgschaft kämpfte. Der Markt sei aufnahmefähig, so Beckers Urteil, die Schlecker-Beschäftigten hätten also gute Chancen. Mit anderen Worten: Spezieller Transfergesellschaften bedarf es gar nicht, die Bundesagentur schafft das schon alleine.

Auf Nachfrage stellte sich allerdings heraus, dass es nicht 125.000, sondern tatsächlich nur 25.000 offene Stellen gibt. Allerdings blieb Vorstandsmitglied Becker bei seiner positiven Einschätzung, dass es gute Vermittlungschancen gäbe. Angaben darüber, wie viele Menschen zur Zeit Arbeit in einem Verkaufsberuf suchen, machte er jedoch nicht: Es waren im März fast 360.000.

"Die Gesamteinschätzung für die Entwicklung einer Branche lesen wir nicht nur von der Relation Arbeitslose und offene Stellen ab", teilte ein Sprecher der Behörde dazu mit. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wird es nun auf jeden Fall schwerer haben, vor allem in den Verhandlungen mit den potenziellen Investoren. Natürlich würden die Gespräche fortgeführt, sagt er und fügt vorsichtshalber an, dass die politische Entscheidung keine Auswirkungen auf die weitere Sanierung des Unternehmens habe.