Der japanische Kamerahersteller Olympus hat auf einer außerordentlichen Aktionärssitzung eine neue Geschäftsführung bestimmt. Als neuer Präsident wurde der Medizintechnik-Experte Hiroyuki Sasa gewählt, die Führung im Verwaltungsrat übernimmt Yasuyuki Kimoto vom Großaktionär Sumitomo Mitsui Banking. Zu Beginn der Versammlung in einem Tokioter Hotel entschuldigte sich der bisherige Chef Shuichi Takayama für den Skandal um gefälschte Bilanzen und versprach "drastische Reformen". Er gehört zu den 18 früheren und aktiven Managern und Bilanzprüfern, die Olympus wegen der Bilanzfälschungen auf Schadenersatz verklagt hat

Der Bilanzbetrug war im Oktober vergangenen Jahres vom damaligen britischen Chef Michael Woodford aufgedeckt und publik gemacht worden . Dieser nutzte die Hauptversammlung, um seinem Ärger über seine Entlassung Luft zu machen. Laut Medienberichten bezeichnete er die Aktionärsversammlung als "Farce". Er fühle sich wie eine Figur aus Alice im Wunderland in einer "Welt voller Intrigen und Inszenierungen". Er verlange Rechenschaft darüber, ob seine Entlassung rechtmäßig sei. Sein Anliegen wurde jedoch mit dem Hinweis auf ein von ihm in Großbritannien angestrengtes Gerichtsverfahren zurückgewiesen. Laut Olympus wurde Woodford wegen seines autokratischen Managementstils entlassen.

Zudem sprach sich Woodford vergeblich gegen die Berufung der neuen Top-Manager Sasa und Kimoto aus. Er kritisierte, dass zwei Mitglieder des alten Vorstands auch dem neuen angehören. "Hunderte Milliarden Yen an Aktionärswert sind bereits verloren durch diesen Skandal", wetterte er vor den Anteilseignern. "Heute ist der Neustart und Sie behalten diese beiden Männer im Unternehmen! Was fällt Ihnen ein, schämen Sie sich!"

Auch eine Gruppe ausländischer Anteilseigner zeigte sich laut Medienberichten "enttäuscht" über die Neubesetzungen an der Unternehmensspitze. Die Gläubigerbanken hätten die Entscheidung über die neue Managementriege entscheidend beeinflusst. Woodford hatte zuvor versucht, eine Mehrheit der Aktionäre für seine Rückkehr an die Olympus-Spitze zu organisieren. Doch japanische institutionelle Anteilseigner ließen den Briten abblitzen.

Mit Sasa steht nun ein Mann aus alten Olympus-Zeiten an der Spitze des Unternehmens. Der 56-Jährige ist seit 1982 im Konzern und war in führenden Positionen der Medizintechniksparte tätig. Seine Berufung kommt nicht überraschend, da die Medizintechnik inzwischen zur größten Sparte von Olympus geworden ist – allerdings auch durch die Übernahmen, bei denen durch überhöhte Preise Bilanzbetrug betrieben wurde. Das Unternehmen hatte im vergangenen November zugegeben , dass bei den Deals alte Anlageverluste von 117,7 Milliarden Yen (1,1 Milliarden Euro) verschleiert worden waren. Sieben zentrale Beteiligte der Affäre wurden festgenommen, darunter der frühere Chef und langjährige Firmenchef Tsuyoshi Kikuka.