Alles war perfekt inszeniert. Die Szenen vom Hauptsitz im kalifornischen Menlo Park erinnerten an die Bilder, die einen sonst von Oscar-Verleihungen oder Pop-Konzerten erreichen. Eine gigantische Bühne hatte Facebook-Gründer Mark Zuckerberg aufbauen lassen, an dem roten Teppich drängten sich schon am frühen Morgen hunderte Mitarbeiter und dutzende Fernsehteams. Hubschrauber hielten das Geschehen aus der Luft fest. Gigantomanie, so schien es, war das Gebot der Stunde.

Um 6.30 Uhr Ortszeit schließlich läutete Zuckerberg per Fernschalte die Eröffnungsglocke an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq – und leitete damit den bislang größten IT-Börsengang der Geschichte ein. Zeitgleich verkündete die Facebook-Seite des Gründers: "Mark Zuckerberg hat ein Unternehmen an die Nasdaq gebracht."

"Die Wall Street gleicht einem Hexenkessel", verkündete der US-Nachrichtensender CNN bereits am frühen Morgen. Der Börsengang von Facebook sei ein wichtiger Moment für das Land und verkörpere "die Kernidee des amerikanischen Traums", jubelten die Kollegen von CNBC. Vor dem blauen Halbrund der Nasdaq am New Yorker Times Square drängten sich Schaulustige, als verfolgten sie die Ernennung des nächsten Papstes. Wann habe man so etwas zum letzten Mal gesehen, fragten US-Journalisten, die den "bedeutenden Moment" mit zahlreichen Live-Schalten verfolgten. Etwas anderes als ein riesiger Erfolg schien kaum möglich.

Doch dann kam das Spektakel ins Stocken.

Um 11 Uhr Ortszeit sollte es losgehen, doch die Minuten bis zum Start zogen sich. Immer wieder wurden Händler und Zuschauer an der Nasdaq vertröstet. Bald hieß es, die Technologiebörse habe Schwierigkeiten, die bis zur letzten Minute eingehenden Aufträge von Großinvestoren abzuwickeln. Man wolle sicherstellen, teilte der Börsenbetreiber mit, dass man auch wirklich zum richtigen Preis starte und werde die Händler in Kürze informieren. Die warteten vergeblich auf elektronische Bestätigungen für getätigte Käufe und mussten mit handschriftlichen Kopien vertröstet werden. Das Ganze sei ein wenig peinlich, hieß es von Beobachtern.

Als die Facebook-Aktien mit einer halben Stunde Verspätung endlich gehandelt wurde, starteten die Papiere mit 42,05 Dollar rund elf Prozent über dem Ausgabepreis von 38 Dollar, den das Unternehmen am Tag zuvor festgesetzt hatte. Erst am Montag hatte Facebook die Preisspanne für den Ausgabepreis wegen der riesigen Nachfrage noch einmal deutlich nach oben korrigiert. Nach 30 Sekunden waren bereits mehr als 82 Millionen Aktien gehandelt worden.